Türkei & die Reise durch Lykien

Perge

Nachdem wir die Natur der Taurus-Berge genießen konnten, steht wieder eine Ruinenstadt auf unserem Plan: Perge

Perge liegt heute rund 15 km von der Küste entfernt an dem damals schiffbaren Fluss Kestros (dem jetzigen Aksu Cayi). Die Stadt ist von drei Seiten von Bergen umgeben; das Taurus-Gebirge ist z.T. 3000 m hoch. In der Antike war es die wichtigste Stadt in Pamphylien.

Archäologen haben in dem Ruinenfeld einen antiken Glücksfall, könnte man sagen. Aus anderen alten Städten haben die Menschen später die Steine der Gebäude für Neubauten genommen. In Perge war das anders, denn ein Erdbeben überdeckte die aufgegebene Stadt; Statuen und Mosaike blieben unter dem Erdreich geborgen.

perge Alte Zeugnisse belegen, dass es bereits im 4. Jahrtausend v.Chr. auf dem nahen Tafelberg menschliche Spuren gab. Eine Ortschaft Parcha/Parha ist ca. 1200 v.Chr. Perge gleichzusetzen. Im 10. Jh v.Chr. hatte Perge gute Beziehungen zu Zypern. Die Stadt ergab sich aber später Alexander dem Großen; noch später den Römern.

Als wir Perge erreichen, haben wir uns erst einmal einen Überblick über die Stadt verschafft. Das Stadion liegt außerhalb der Stadtmauern; wir besuchen es am Ende der Tour.

Wir gehen durch die noch ausgesprochen gut erhaltene Stadtmauer (u.li.)aus dem 3. Jh v.Chr. an der Ostseite. Hier fallen uns gleich die noch besonders gut erhaltenen Türme (u.re.) auf.

Die Stadt konnte aber auch durch zwei weitere Tore im Süden betreten werden; diese Tore allerdings sind erst nach den Erweiterungsbauten im 1. Jh n.Chr. in römischer Zeit entstanden.

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Besonders beeindruckt hat uns die Kolonnadenstraße; eine zweispurige Prachtallee, in deren Mitte eine Wasserleitung verläuft, die in einem Nymphäum (Badehaus) endet. Die Straße wird von groß angelegten Straßen gekreuzt, an deren Ende Tore aus der Stadt führen.

Beiderseits der Prachtstraße sind noch sehr gut die Grundmauern der Häuser zu erkennen. Meist waren hier Geschäfte untergebracht.

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Noch heute ist die mit Marmor gepflasterte Straße zu erkennen (o.li). In der Mitte die Wasserleitung (u.re.); teilweise offen und teilweise abgedeckt (u.li.), damit die Menschen die Straßenseiten wechseln konnten.

perge perge

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Am Ende der Kolonnadenstraße steht das monumentale Nymphäum am südlichen Rand der Akropolis. Der u-förmige Bau hatte an beiden Seiten große Torbogen. In der Mitte liegt auf einem Sockel der Flussgott Kestros.

Rechts und links des Nymphäums standen einst weibliche Statuen in Nischen.

Das Wasser, das vom Berg herunterkam, floss unter der Statue von Kestros hinweg und ergoss sich über die Wasserleitung inmitten der Straße.

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Immer mehr Gebäude werden heute ausgegraben: Tempel, Badehäuser und Thermen, Schulen. Seit 1970 werden regelmäßige Ausgrabungen durch die Universität Istanbul durchgeführt; seit 1988 geschieht dies in Kooperation mit der Uni Gießen.  Seit 1995 unterstützt die DFG (Deutsche Forschungsgesellschaft) Schwerpunktprojekte in Perge.

Auch christliche Spuren lassen sich in Perge verfolgen; Paulus und Barnabas sind auf ihrer ersten Missionsreise in die Stadt gekommen und wurden freundlich von den Menschen empfangen.

Beeindruckend ist auch die riesige Agora, die mit hohen Säulen  mit jeweils einem wunderschönen Kapitell  am oberen Ende, umgeben ist. Inmitten der Agora erhebt sich ein Rundtempel (u.) zu Ehren Tyche, der griechischen Göttin des Schicksals. Tyche ist Tochter des Zeus und ihre Attribute sind Füllhorn, Ruder und Flügel. Die Römer verehren entsprechend die Götting Fortuna. Und in der Türkei kennt man die Artemis.

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Die Agora, wichtigster und politischer Mittelpunkt der Stadt, wurde im 2. Jh erbaut und hat eine Größe von 75 x 75 m. Um die Agora herum gab es Läden und einen mit Mosaiken ausgelegten Weg. Heute ist dieser Weg zum Schutz mit einer Fliesmatten und Kies abgedeckt.
Die Agoras waren Mittelpunkt der Städte und hier wurde Handel getrieben.
Die Agoranomas (offizielle Vertreter der Stadt) kontrollierten Läden, Waagen und Preise.

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perge perge Wir werden auf der alten Kolonnadenstraße freundlich empfangen: Nämlich von jeder Menge Frauen, die – ausgebreitet auf weißen Tüchern – ihre Handarbeiten verkaufen wollen. Und das immer mit einem Augen Richtung Ausgang, denn eigentlich ist das Verkaufen innerhalb der Ruinenstadt verboten. Aber wenn das Auge des Gesetzes fehlt, dann …

perge perge Zum Schluss zieht es uns natürlich noch in das großartige Stadion von Perge, das außerhalb der Stadtmauern liegt. 15.000 Menschen fanden hier Platz; in 50 Tonnengewölben um die Mauer herum boten Händler ihre Waren feil.

Jedes dritte Gewölbe ist ein Durchgangstor in das Stadion hinein; das ist auf dem Bild unten rechts zu sehen.

Mit dem Besuch von Perge beenden wir unsere Reise in die kulturerelle Vergangenheit Kleinasiens; zumindest hier in der Türkei. Noch ein wenig Stadtgetümmel in Antalya und dann geht es wieder heimwärts.



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