Türkei & die Reise durch Lykien

Ephesus

Nach einem schönen Tag am Meer und der Bootstour geht es jetzt weiter nach Ephesus; eines der Highlights unserer Reise. Doch erst einmal fahren wir wieder durch eine teils schroffe Landschaft. Rechts und links der Straße erheben sich Granitfelsen und Olivenbäume, die im September das erste Mal geerntet werden (grüne Früchte). Bei der späteren Ernte so um den Jahreswechsel herum sind die Oliven dann bereits dunkel.

Kalt gepresstes Öl von grünen Oliven hat zwischen 0,5  und 2 % Olivensäure, was es zu einem hervorragenden Produkt macht.
Alle drei bis vier Jahre werden die Bäume geschnitten; sie können so Hunderte von Jahren alt werden.
Übrigens: die Olivensteine werden zu Viehfutter verarbeitet.

Wir haben Olivenbäume wild wachsend in der Landschaft oder mitten in den Ruinen des Römischen Theaters in Ephesus gesehen.

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Ephesus war eine bedeutende und dazu die älteste griechische Stadt in Kleinasien, der heutigen Türkei und lag einst direkt an der türkischen Westküste (Ägäis). Doch die Verlandung schob die Küste immer weiter in das Meer, so dass die antike Stadt heute weiter im Landesinneren liegt.

Hinweise auf menschliche Siedlungen in dieser Gegend lassen sich 5000 Jahre v.Chr. zurück verfolgen. Schriftliche Aufzeichnungen führen die Archäologen 2000 Jahre in die vorchristliche Zeit. Einer Sage nach soll Androklos, der König von Attika, die Stadt gegründet haben.

560 Jahre v.Chr. wurde mit dem Bau des Tempels der Artemis begonnen; 120 Jahre sollen die Bauarbeiten gedauert haben. Der Tempel gilt als eines der sieben Weltwunder.

Artemis, die Göttin der Jagd, des Waldes und die Hüterin der Frauen und Kinder zählt zu den 12 großen olympischen Göttern. Die Römer nannten sie Diana; die Etrusker Artumes.

Ihr zu Ehren wurde der Tempel in Ephesus erbaut; die Menschen der Stadt sahen in ihr die Ernährerein aller Lebewesen. Nach anderer Deutung aber steht sie für Fruchtbarkeit, zu erkennen an den Stierhoden, die sie an ihrer Brust trägt.

katzen katze Die letzten Jahrhunderte der vorchristlichen Zeit waren auch wirtschaftlich blühende Zeiten für Ephesus. Es gab einen großen Hafen, der zum Königreich Pergamon gehörte und 133 v.Chr. dem Römischen Reich eingegliedert wurde.

Mit vermutlich mehr als 200.000 Einwohner war die Stadt eine der größten im Römischen Reich. Die heutigen "Hausherren" in den Ruinen von Ephesus scheinen, wenn die Besucher weg sind, jede Menge Katzen zu sein.

Auch bei der Verbreitung des Christentum fiel der Stadt große Bedeutung zu: Der Apostel Paulus weilte während seiner 3. Missionsreise in Ephesus. In der Stadt wurde er geduldet, obwohl er sich den Unwillen der Devotionalienhändler auf sich zog, weil er ihre Geschäfte mit den Heiligenbildnisses anprangerte. Der Silberschmied Demetrios zettelte damit eine Großdemonstration gegen ihn im Theater an: „Groß ist die Artemis der Epheser“ schrie die aufgebrachte Menge.

Paulus hat später den ersten der sieben Sendschreiben der Johannesapokalypse an die Epheser geschrieben; eine darin gemachte Aussage lautet:  „Aber ich habe gegen dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast. Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!“

Ephesus war viele Jahrhunderte eine mächtige Stadt, doch verlor sie in byzantinischer Zeit an Bedeutung, da der Hafen verlandete.

1090 wurde die Stadt dann von den Seldschuken erobert; der nahe Ephesus in der türkischen Zeit erbaute Ort namens Ayasoluk erhielt später den Namen Selçuk.

ephesus ephesus Die mit Kalkstein- und Marmorplatten gepflasterte  Kuretenstraße (re.) war eine der Hauptstraßen in Ephesus. Sie verband dieStadtberge Bülbüldağ und Panayirdağ.

An der Kuretenstraße stehen die Hanghäuser, sowie das Nymphaeum Traiani, der Hadrianstempel und das Varius-Bad. Den Blick auf das Hadrianstor (li.) haben schon damals die Menschen gehabt.

Erst im 19. Jh begannen englische Archäologen im Auftrag des Britschen Museums mit der Erforschung der Ruinen und der Suche nach dem Artemistempel.

Auch Österreich hat 1895 mit den Ausgrabungsarbeiten begonnen und dabei weite Teile der Stadt und der Privathäuser (Hanghäuser), die am Hang des Bülbüldağ, einem der beiden Stadtberge, liegen (bülbül ist die Nachtigal; dağ bedeutet Berg). Wandmalereien und Mosaiken schmückten damals diese Häuser aus.

ephesus ephesus Heute besuchen Hunderttausende die antike Ruinenstadt jährlich. Ich möchte deshalb nicht in der Hauptreisezeit hierher kommen. Jetzt - im Januar – können wir uns Ephesus in aller Ruhe anschauen, denn die Wintermonate sind die „fast touristenfreie“ Zeit.

Besonders beeindruckt war ich von der Celsus-Bibliothek(Anastilosis). Sie entstand im frühen 2. Jh. n.Chr. Nicht nur Bücher fanden Platz in den großen Räumen, sondern das Gebäude ist auch Grabstätte des Stifters Tiberius Julius Celsus Polomaeanus, Senator zur römischen Kaiserzeit.

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Die vier Skulpturen neben dem Eingang in die Bibliothek stellen die Tugenden des Celsus dar:
Sophia (Weisheit o.li.), Arete (Charakter o.re.), Ennoia (Urteilskraft u.li.) und Episteme (Sachverstand u.re.)

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Von der Bibliothek aus gehen wir nun weiter entlang der Kuretenstraße.

ephesus Wir kommen vorbei an der antiken Brunnenanlage, dem Nymphaeum Traiani. Es wurde zu Ehren der Artemis und Kaiser Trajan am Ende einer 39 km langen Wasserleitung in die Stadt hinein zwischen 102 und 114 n.Chr. erbaut.

ephesus Das 11,90 x 5,40 m große Brunnenbecken wurde an drei Seiten von einer ursprünglich etwa 9,50 m hohen Fassade gerahmt. Das Wasser floss unter der Statue – also zu Füßen des Kaisers – in das Brunnenbecken. Dem Hauptbecken war zur Straße hin ein schmaleres Schöpfbecken vorgelagert, von dem das Wasser entnommen werden konnte.

Das Nymphaeum Traiani wurde 1957 freigelegt. 1962 erhielt es sein heutiges Aussehen.

ephesus Gleich daneben stehen die Überreste des Hadrian Tempels, den man zu Ehren des Kaisers erbaut hat, nachdem dieser 123 n.Chr. die Stadt besuchte.

Vedat, unser kundiger Reisebegleiter, zeigt auf die Reliefs, die im Inneren des Tempels angebracht wurden: „Wo sollen wir die Stadt erbauen?“, sagte das Orakel.

„Dort, wo Du Fisch, Eber und Feuer findest!“, war die Antwort.

Als nun der Abend naht, wurde ein Fisch in nahen Fluss gefangen; es wurde ein Feuer entfacht, das auf einen Busch übergriff, hinter dem ein Eber stand. Er erschreckte sich und lief fort. Als man ihn einholte, beschloss man, an dieser Stelle die Stadt Ephesus zu bauen.

Und wir stehen vor dem Variusbad, das nicht nur zur Hygiene und Körperpflege ein wichtiger Ort war, sondern auch als Kommunikationsstätte der Bevölkerung untereinander galt.

Nur aus Demonstrationszwecken (und nur aus diesem Grund!) hat Vedat auf dem "Stillen Örtchen" Platz genommen. Aber war es damals wirklich so still?
Ich glaube, die beiden nachfolgenden Bilder sprechen eine  eigene Sprache, nicht wahr ???

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Zum Schluss besuchen wir noch das Theater von Ephesus. Es bot einst 24.000 Menschen Platz; die obersten der 60 Sitzreihen erheben sich 30 m über dem Erdboden. Das Theater, das einen Durchmesser von 148 m hat,  wurde im 3. Jh v.Chr. erbaut und im 1. Jh. n.Chr. erneuert.

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Langsam gehen wir zurück zum Ausgang und haben Zeit für die kleinen, unspektakulären Dingen am Rande. Aber die sie ebenso nett und liebenswert, dass ich sie mit der Kamera "eingefangen" habe. Da ist zum Beispiel das Grün der Natur, das sich gegen die steinernde Antike durchzusetzen scheint ...

Wir lassen all das gerade Gesehen etwas sacken. Dazu passt ein türkischer Mokka, den wir im kleinen Restaurant vor dem Eingangsbereich in die Ruinenstadt trinken. Dann geht’s weiter ins Ephesus Museum.


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