Südafrika - Gardenroute

Von Simbabwe aus kommend sind wir nun im dritten Land unserer ersten Reise nach Südafrika angelangt. PE, wie Port Elisabeth von den Südafrikanern genannt wird, ist mit gut 700.000 Einwohner die fünftgrößte Stadt des Landes.
 
Gegen 15.00 Uhr kommen wir mit dem Flieger an, übernehmen unseren Mietwagen und fahren ins Marine Protea Hotel. Aber nur für eine Nacht, denn am nächsten Morgen geht es gleich auf die Garden Route. Gute 750 km liegen nun vor uns. Entweder fast schnurgerade auf der Nationalstraße N 2, oder - und das haben wir getan - auf gemütlichen Landstraßen neben dem Highway entlang.

Unser Ziel an Ende der Garden Route werden einige Tage im Südafrikanischen Weinland sein. Klar, dass Kapstadt und das Kap der Guten Hoffnung auf der Kaphalbinsel nicht auf unserem Reiseplan fehlt.

GardenrouteDas Tor am östlichen Ende der Tuinroete - wie die Straße von den Südafrikanern genannt wird - ist die Paul-Sauer-Brücke. 130 Meter überspannt die wohl schönste Brücke des Landes eine Schlucht nahe Port Elisabeth.

WeberÜberall rechts und links der Straße kommen wir an Farmen, kleinen Ortschaften, Feldern und Wäldern vorbei. Durch die konstante Feuchtigkeit vom Indischen Ozean her ist das Land fruchtbar und grün.


Wir sind on the road, besser gesagt: auf der R 102 und fahren gen Westen. Links blicken wir auf die Küste mit ihrer starken Brandung und rechts fahren wir vorbei an blühenden Gärten, Wäldern, und Orten wie Plettenberg, Wilderness, Buffalo, Knysna.

Oder wir stehen einfach nur da und schauen auf die kunstvollen Nester der Webervögel, die hier auf einem Baum ihr Zuhause gefunden haben. Nicht einmal Sturm kann die kleinen Häuser von den Ästen wehen.

Wellen Erstes Etappenziel auf unserer Tour ist der Küsten-Nationalpark Tsitsikamma. Bis  2009 ein eigenständiger Nationalpark in Südafrika; seither Teil des Garden Route-Nationalparks. Auf einer Länge von 113 km erstreckt sich Tsitsikama als langer Streifen entlang dem Indischen Ozean. Der Name Tsitsikamma bedeutet in der Sprache der San “Ort der vielen Wasser”. Und das können wir nur bestätigen. Einzigartig ist die Brandung, die wir die ganze Nacht durch das offene Fenster unseres Bungalow hörten. Die kleinen Häuser stehen nur wenige Meter vom Strand entfernt und sind mit allem eingerichtet, was man für einige ruhige Tage am Meer braucht.


Tsitsikama (195 km von Port Elisabeth und 615 km von Kapstadt entfernt) steht ganzjährig den Besuchern offen. In den hiesigen Wintermonaten kann es aber nachts oft empfindlich kalt werden.

Restcamp Wärmflasche Im Storms River Mouth Rest Camp beziehen wir eines der gemütlich eingerichteten Chalets. Holz ist der überwiegende Baustoff.

Damit mann (natürlich auf frau) nicht friert, hier ein Vorschlag zum Warmwerden. Wo bekommt man schon ein Hotel o.ä. mit solch einer netten "Heizung"?

Anmerkung: das Bild mit dem kuscheligen Bett wurde ein Jahr später zu unserer ganz persönlichen Weihnachtskarte an Familie und Freunde.

Trail Eidechse Der Park ist auch Heimat der Otter. Es gibt gut ausgeschilderte Wanderwege entlang des Ozeans bis hinauf in die direkt dahinter liegenden Berge, wo der Otter Hiking Trail mit 41 km Länge und vier Übernachtungshütten wohl die berühmteste Trekkingtour ist.

Doch auch etwas kürzere und gut ausgebaute Wege laden zum Wandern ein, wie z.B. der Louri Trail (1 km), der Month Trail (2 km) oder der Blue Duiker Trail (4 km). Eine besonders schöne Tour führt zum Wasserfall (6 km). Dieser Weg ist der Beginn des Ottertrails. Wir sind 3 km bis zum Wasserfall gelaufen und dann wieder zurück. Eigentlich werden für diese 6 km 3 Stunden angegeben, aber wir brauchen einen guten halben Tag, da es viel zu sehen in diese spektakulären Landschaft.  Plötzlich huscht einer dieser flinken Gesellen über den Weg. Wir haben aber Glück, dass die Eidechse ein Sonnenbad nimmt und wir sie in aller Ruhe fotografieren können.

Knysna ist unser nächstes Ziel auf der Garden Route. Die Stadt liegt an einer 21 Hektar großen Lagune, die nur durch eine schmale felsige Einfahrt – die Knysna Heads – mit dem Indischen Ozean verbunden ist. Fast kommt man sich vor wie in einem englischen Badeort. Überall lesen wir an den gemütlich wirkenden Gästehäusern den Hinweis auf bed and breakfast.

Lodge Etwas außerhalb des Ortes liegt die Knysna Hollow Country Estate. Kleine weiße Bungalows, im Landhausstil eingerichtet und mit wärmendem Kamin, laden zum Verweilen ein. Das Restaurant ist hervorragend und die abendlichen Gespräche bei Wein und Bier an der Bar zogen sich oft bis in die späte Nacht hinein. Gäste erzählten von den Tageserlebnissen. Die Leute aus Knysna vom Leben hier unten am Kap.

Wir kommen gegen Mittag in Knysna an und haben wir uns erst einmal häuslich in unserem Bungalow eingerichtet. Einen Tee und etwas Gebäck, bequem in großen Ohrensesseln sitzend, ließen wir den warmen Wind durch die geöffneten Türen und Fenster wehen. Leise Töne drängen mit einem Mal von draußen rein. Perlhühner haben sich im Garten niedergelassen. Ihr Gackern ist genauso typisch für Südafrika wie ihre kleinen blauen Punkte überall verteilt auf dem Gefieder. Völlig zutraulich schaut eins von ihnen durch den Eingang.
Selbst beim Bummel durch Knysna sehen wir sie. Lebend und - für uns immer greifbar - als Holzfigur. Ein ganzes Geschäft scheint ihnen gewidmet zu sein: die Feathers Gallery - The home of Feathers' farmons birds of wood.

Huhn Wir jedenfalls freuen uns diesen Laden gefunden zu haben, denn die Holzfiguren kennen wir schon aus der Namib Naukluft Lodge in Namibia. Dort steht so ein Holzhuhn an der Rezeption herum. Am liebsten hätte ich es dort schon eingefangen. Nun habe ich die Qual der Wahl: unzählige Hühner sind hier versammelt. Welches sollen wir jetzt mitnehmen nach Deutschland?

Kein Holzhuhn gleicht dem anderen. Das hat auch seinen Grund: für sie muss nämlich kein Baum sterben. Nur abgebrochene Äste und bereits umgefallene Bäume werden zum Schnitzen verwandt. So manche Astgabel gibt dann auch den Ausschlag für die Körperform des Federviehs. Bemalt mit Naturfarben, weist das nummerierte Zertifikat auf eine sorgsame Pflege des hölzernen Vogels hin. Bitte nicht der direkten Sonne aussetzen, damit die Farben nicht verblassen. Bei uns zu Hause steht das Perlhuhn im Regal unserer Essecke in der Küche. Hört man genau hin, hört man das Gackern ganz deutlich ?!?!? Na ja ....
Noch etwas Positives hatte der Erwerb des Vogels: vom Kaufpreis geht eine Spende an den WWF - dem World Wide Fund For Nature.

Kleine Karoo Oudtshoorn Von Knysna aus fahren wir in die Kleine Karoo. Oudtshoorn mit seinen gut 80.000 Einwohnern ist unser Ziel.
Der 1847 gegründerte Ort zwischen den Swartbergen im Norden und den Outeniqua-Bergen im Süden am Gobbelaars River wurde während der Blütezeit der Straußenfeder-Produktion reich und über die Grenzen Südafrikas hinaus bekannt.

Straußenmuseum Straußenmuseum Einige mächtige  Straußenbarone versorgten vor gut 100 Jahren das modebewusste Europa mit den langen Federn. Wofür man diese überall zu verwendet hat, zeigt das CP Nel Museum, das Straußenmuseum. Als Herrenhaus 1909 erbaut und bereits seit 1938 unter Denkmalschutz stehend, wurde der gesamte Gebäudekomplex 1981 zum Nationaldenkmal erklärt. Geht man heute durch die Räume, so wird die luxuriöse Lebensweise der damaligen Zeit ganz deutlich. Was man sich alles leisten konnte, dokumentieren Museumsstücke wie: feines Porzellan und Seide aus China, Kacheln aus Delft, Klaviere, elegante Möbel. Selbst Telefone, Automobile, Nähmaschinen und Grammofone wurden aus Europa eingeführt. Marmor und edle Hölzer verschönerten so manche Wand.

Uns zog es vor die Stadt zur Straußenfarm Highgate, die vor mehr als 100 Jahren von der Familie Hooper gegründet wurde. 

Strauß 50 Jahre kann ein in Einehe lebender Strauß alt werden. Die etwa 750 Gramm schweren Eier werden 42 Tage lang bebrütet. Eine Straußenmutter hat viele davon gelegt, doch nur ca. 60 % davon sind auch befruchtet.
Bis es so weit ist, werden die 6 bis 8 Eier tagsüber von der Henne und nachts vom Hahn bewacht.

Straußenküken Sind sie nicht niedlich - diese kleinen Wattebällchen? Eine Freundin sagte mir vor der Reise: wenn Du die erst mal gesehen hat, kannst Du kein Straußensteak mehr essen.

Ich lasse es jetzt offen, ob uns das Fleisch geschmeckt hat ....

Oudtshoorn hat nicht nur Strauße zu bieten. Auch die Natur ist einzigartig. Vor allem die unter der Erde. Das wohl bekannteste Höhlensystem im südlichen Afrika liegt 29 km vor der Stadt: die Cangoo Caves. Im Jahre 1780 wurden sie durch einen Hirten entdeckt, der ein verlorenes Schaf suchte. Mit dem Lehrer des Ortes kam er wieder, und sie gingen bei Kerzenschein 100 Meter bis an den Rand einen “bodenlosen Brunnens” - wie sie es nannten - hinein. Die nächsten Jahrzehnte waren geprägt von weiteren spektakulären Entdeckungen, bis im Jahre 1891 die Höhle offiziell als Touristenattraktion freigegeben wurde. Seit 1928 erzeugt eine Dieselanlage Strom.

Cangoo Caves Cangoo Caves In der Zwischenzeit sind mehrere Höhlen hintereinander entdeckt worden, doch nur Cangoo 1 ist für die Besucher offen. Leider gibt es nur geführte Touren.

Selbst die Namen der einzelnen Höhlenkammern lassen uns Schauer über den Rücken laufen. Namen wie: Teufels Schornstein, Eisraum, Sarg, Teufelswerkraum, des Teufels Küche und sein Briefkasten.

Doch auch Namen wie: Thronsaal, Grand Hall, Rheumatunnel, Kristallpalast und die Minen des König Salomon geben den touristischen Höhlenforschern Rätsel auf.

Hund
Ganz unterschiedlich waren bisher die Erlebnisse entlang der Garden Route. Wir haben jetzt keine Zeit (wie der Haushund in der Straußenfarm) zum Ausruhen, demn wir verlassen die Kleine Karr und reisen weiter Richtung Westen. Unser Ziel ist Südafrikas Weinland.


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