Südafrika - Südliche Drakensberge

DorfVom Honeyguide Camp fahren wir wieder zurück nach Nelspruit. Über die R 40 und R 38 geht es nach Ermelo, von wo aus uns die Nationalstraße 11 weit runter in den Süden bringt. Wir sind mittlerweile in Natal und haben den Tag mit Fahren verbracht. 550 km sind zwar alles andere als angenehm im Auto zu sitzen, aber wir halten mal hier, mal da. Hier gab’s einen Kaffee, dort kaufen wir etwas ein. Überall gibt es was Interessantes zu sehen.

Wir fahren an diesem Tag bis Newcastle, wo wir die Nacht im Holiday Inn verbringen. So können wir ausgeruht am nächsten Morgen von der großen fast schnurgeraden Straße rechts abbiegen auf die landschaftlich schöne, ruhigere Landstraße nach Winterton.

Champagne Castle Nicht weit entfernt - am Ende der Stichstraße - liegt das Champagne Castle Hotel auf einer Höhe von 3377 m.

Das Hotel soll unser Domizil für die nächsten Tage werden, die mit Wandern ausgefüllt sein werden.

Die einzelnen Bungalow liegen eingebettet in einer gepflegten Gartenanlage. Gepflasterte Wege, bunte Blumen, alter Baumbestand, hier und da Sitzecken. Was will man mehr, wenn man aus den Bergen kommt, sich ein Glas Rotwein bestellt und den Sonnenuntergang über dem 3.374 Meter hohen Champagne Castle erlebt.

Ja, man erlebt viel in einem solch “very british” Hotel.

Cathkin Peak Die Champagne Castle - Cathkin Peak Region besteht zum größten Teil aus dichtem Wald mit Farnen, Moosen, Flechten und Palmen.Der Cathkin Peak  ist 3181 Meter hoch. An seinem Fuß befinden sich Höhlenmalereien der San (siehe weiter unten).
Den Namen bekam die Region von schottischen Siedlern, die aus der Nähe von Glasgow hierher nach Südafrika kamen.

Eukalyptusbäume stehen dazwischen. Riecht es nicht irgendwie nach Hustenbonbon ?!?!?

Bege

Die gesamten Drakensberge bieten den Besuchern unzählige Wanderwege an und zwar von kurzen Spaziergängen in der Umgebung der Orte und Hotels bis hin zu langen Trekkingtouren, die auch schon manchmal über mehrere Tage hinweg gehen können.

Wir haben die Tage im Champagne Castle dazu genutzt, Tagestouren im Gebiet des Cathkin Peak zu machen. Die Gegend sieht fast so auch wie in der Alpenregion bei uns zu Hause. Aber nur fast, denn wo gibt es schon solch ansehnliche Baumfarne?

Und wenn man dann noch mit offenen Augen durch die Landschaft wandert, bleiben diese oft sehr versteckt liegenden Buschmannzeichnungen auch nicht verborgen.

BuschmannzeichnungenBaumfarne
Die Bushman Graffitis sind schon viele Jahrhunderte alt, doch sind sie heute noch gut zu erkennen und zeigen viel von den Dingen, mit denen sich die Buschmänner beschäftigt haben.


Auf der Felszeichnung sind Antilopen zu sehen. 

ChoirTrommeln Etwas anderes haben wir schon zu Hause im Reiseführer gelesen. Nämlich der Hinweis auf ein musikalisches Highlight: der Drakensberg Boys Choir. Dieser Knabenchor gehört zu einer privaten Internatsschule für Jungen aus Transvaal und Natal. Nicht nur fürs Abi wird hier gepaukt, sondern auch für musikalische Auftritte in Südafrika und im Ausland.

Jeden Tag steht Musik auf dem Stundenplan. Und das es den Jungen Spaß macht, sieht man. Immer donnerstags findet ein Konzert in der Aula des Internats statt. Gäste der umliegenden Hotels füllen dann den Saal. Die private Schule wird von den Eltern bezahlt. So tragen diese Konzerte auch ein wenig zur Finanzierung des Internats bei. Ebenso wie die Auftritte des Chores: einmal im Jahr irgendwo in Afrika, einmal im Jahr irgendwo auf der Welt.

Seit einiger Zeit sind nicht nur weiße Kinder in dem Internat. Sicher trägt auch die Öffnung der Schule für farbige Kinder zur multikulturellen Erziehung der Jugendlichen bei.
Das Repertoire ist vielseitig: Klassik, Moderne, Jazz und jetzt auch Afrikanisches.


Vom Champagne Castle und den 3000ern dieser Region sind wir dann noch einige Tage in eine andere Ecke der Südlichen Drakensberge gefahren. Ziel ist der bereits 1916 entstandene Royal Natal Nationalpark.

Wir wohnen im Mount-Aux-Sources Hotel, einer Anlage, die ihren Namen von dem gleichnamigen, 3282 Meter hohen Berg übernommen hat (Mount-aux-Sources heißt Quellenberg).

Polizeihelm Von der Terrasse der einzelnen Appartements aus können wir schon die traumhafte Bergkulisse bewundern, durch die wir wandern wollen.

Der Royal Natal Nationalpark ist gut ausgeschildert. Strecken von unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrad bieten für jeden Wanderer geeignete Touren. Meist spielt auch das Wetter mit. Doch unsere täglichen Touren beginnen immer mit Regen, da darf natürlich die ensprechende Kleidung nie fehlen.. Doch wir hoffen, dass die Sonne die Oberhand gewonnen wird und wir später noch einmal den “Polizistenhelm”, wie diese Felsformation genannt wird, in strahlendem Sonnenschein sehen werden.

Wir sind ja "hart im Nehmen" und  wandern erst einmal weiter. Die Regenjacke an, stört uns der Nieselregen nicht sonderlich. Der Wanderweg in die Tugela Gorge (Schlucht) hinein führt über 11 km durch bewaldetes Gebiet bis zur Quelle des Flusses. Gut 1000 Meter bergab, und wir stehen mitten in der Schlucht. Irgendwie hatte nun auch das Wetter ein Einsehen mit uns. Plötzlich trafen die Sonnenstrahlen bis hier unten herab.

SchluchtSchlucht
Den Weg in die Gorge hinab müssen wir dann auch wieder rauf.

Die Wolken sind verschwunden und die steilen 5 km langen Felshänge des Amphitheaters liegen nun - von der Sonne beschienen - vor uns. Diese 500 m senkrecht abfallende Felswand erstreckt sich 5 km lang zwischen den beiden Gipfeln des Sentinel (3165 m) und Eastern Buttress (3047 m - Buttress heißt "Stützpfeiler").

AmphitheaterAmphitheaterFast 800 m tief stürzt der Tugela River über die Abbruchkante herab in die Tiefe. Der Wassefall ist somit der dritthöchste der Welt. Nach 330 km mündet der Fluss dann in den Indischen Ozean. Das Amphitheater ist ein absolutes Highlight nicht nur für Naturliebhaber, sondern auch für Fotografen. Uns ist dieses Fotografenglück beschert ...

BlumeMit diesen leuchtenden Blüten verabschieden wir uns von den Drakensbergen.

Es wird nun Zeit Koffer zu packen, das Auto zu beladen und zurück nach Johannesburg zu fahren.

Morgen wollen wir ja den Flieger nehmen und eine Safari in Botswana machen.



Bevor unsere Reiseerlebnisse an der Gardenroute weitergehen, noch die Frage:
Wie wäre es also mit einer Geschichte zum Schmunzeln?

Bergstiefel, Trekkinghose und Krawatte 

Sicher, ein etwas seltsamer Titel - aber er stimmt so, wie er da steht:

Das Champagne Castle ist zwar ein Hotel für Bergwanderer, aber ein sehr gehobenes und mit dem Flair englischer Gastlichkeit und Etikette ausgestattet.
Für uns Deutsche etwas befremdlich ist die Tatsache, dass Kinder unter 10 Jahren nun mal nicht mit zum Dinner in das Restaurant durften. Für Sie wird eine halbe Stunde früher - und behütet von einem Kindermädchen - in einem anderen Raum das Abendessen bereitet.

Doch noch befremdlicher ist eine andere Sache!

Mann(n) kommt also vom Wandern in den Wäldern zurück, frisch geduscht und umgezogen - allerdings trägt man(n) wieder die vermeidlichen Trekkinghosen - und möchte nun zum Dinner. Egal, ob es Dinner heißt oder Abendessen: Man(n) haben einfach nur Hunger.

Und dann steht da an der Tür ein elegant gekleideter Herr, der ihn - den Mann - von oben bis unten freundlich aber bestimmt mustert und mit einer dezenten Handbewegung auf ein Regal an der Wand weist.

Man(n) schaut ganz verdutzt in die Richtung und - holt tief Luft. Was man(n) nämlich dort sieht, sind Krawatten (man erspare mir Details zu Farbe, Form und Muster).

Ohne Krawatte kein Einlass - ohne Einlass heißt: hungrig ins Bett!

Was bleibt Man(n) also über, als eine dieser Binder über das praktische khakifarbene Safarihemd und der ebenso freizeitmäßigen Trekkinghose anzulegen?

Hubert tat mit leid (ehrlich!), wie er da so vor mir sitzt mit seiner reinseidenen Paisley gemusterten Krawatte. Aber auch er bewundert mch, wie ich - völlig ohne grinsende Regung meiner Mundwinkel nach oben - mit ihm dinierte.

Anmerkung: Die Geschichte ist so - wie beschrieben - geschehen. Der eine oder andere Leser kann darüber sicher nicht lachen (muss er auch nicht), aber wir fanden es schon außerordentlich spaßig/spießig. 



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