Sri Lanka - Wasgomuwa

04.02.04 – Eigentlich sollte es heute für drei Tage Richtung Ostküste gehen, aber wir haben umgeplant. Wir sind nun mal keine geborenen Wasserratten und glauben auch, dass der Osten der Insel und Trincomalee nicht so viel zu bieten hat. Mag sein, dass wir uns irren, aber wir lieben nun mal mehr die Berge, die Natur und das Hochland.

Auch hat uns ein momentaner Eisenbahnerstreik einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir hatten nämlich auf der Rückreise aus Trinco eine Bahnfahrt geplant, die wir nun nicht antreten können.

Nimal – und das zeigt sich immer wieder – ist ein hervorragender Gastgeber und Kenner seiner Insel. Trotz mehrerer aufeinander folgender Feiertage (Inselbewohner bereisen nun selbst gerne die schönsten Stellen ihrer Heimat) und voller Hotels hat er eine ausgefallene Tour geplant: Wir reisen nach Wasgomuwa ins Hochland.

wasgLiest man die einschlägigen Reisebücher, so führen die Angaben über Wasgomuwa ein wenig in die Irre. Das steht z.B., dass Wasgomuwa rund 10 km südlich von Polonnaruwa liegt. Na ja, das stimmt nur zum Teil.

Der auf 500 m Höhe in den Bergen gelegene Wasgomuwa Nationalpark ist sehr viel weiter im Süden. Hohe Bäume, weite Teefelder, saftige Reisterrassen. All das sehen wir unterwegs. 1938 wurde hier ein Naturschutzgebiet ausgewiesen; zum Nationalpark wurde das 39.322 ha große Gebiet im Jahre 1984

Hier die genaue Streckenführung durch eine traumhaftes Hochland mit ständig wechselnden Grüntönen: Sigiriya – Matale – Rattota – Wasgomuwa = 183 km. Dafür werden wir 7 1/2 Stunden benötigen; allerdings mir sehr vielen Zwischenstopps.

08:00 Uhr – Wir checken im Sigiriya Village Hotel aus.

logo09:00 Uhr - Da ist zuerst der kleine Ort Naula, wo wir uns eine Schnitzerei ansehen. Natürlich! Wir tun das, was wir (fast) überall in Asien tun: Wir kaufen eine kleine Figur aus Sandelholz. Mittlerweile haben wir zu Hause schon eine recht stattliche Sammlung davon.

In den Königsstädten haben wir wunderschöne Mondsteine gesehen. Hier bei  logo gibt es geschnitzte „Steine“!  Doch selbst diese Ausmaße – und damit verbunden auch das Gewicht – lassen sie als Mitbringsel einfach zu groß sein. Dafür schauen wir uns dann die Bilder aus Anuradhapura an

Die Landschaft wird grüner, saftiger und üppiger. Und an den Straßen sehen wir immer mehr Schilder, die auf kleine und größere „Spice Garden“ hinweisen. Wir haben Zeit und so halten wir kurz vor Matale an:

kakao10:30 Uhr – Sirikak Spice – ein Gewürz- und Kräutergarten. Schon beim Aussteigen duftet es nach … Ja, wonach eigentlich? Wir können es nicht erkennen, aber es riecht gut.  

Der Garten ist gepflegt angelegt und überall stehen Schilder mit den Namen der Pflanzen. Wer weiß schon, wie die Muskatnüsse wachsen? Oder wie sich die Vanilleschoten am Baum hinauf hangeln?

Und dann ist da der Kakaobaum. Noch während wir darunter stehen und die grünen großen Kakaobohnen betrachten, kommt ein junger Mann und bringt und warmen duftenden Kakao. Eigentlich sind wir ja schon aus dem „Kakaoalter“ raus und Milch ist auch nicht so ganz meine Welt, aber dieses Getränk hatte es in sich. Aus Kakao, Wasser, etwas Sahne, zerdrückter Banane und Vanilleöl ist es einfach ein Genuss.

palmblatt Ebenfalls kurz vor Matale kommen wir nach Aluvihare. Ein Kloster besonderer Art. Ein Felsenkloster, in dem die berühmten Palmblatt-Kopisten eine neue Heimat gefunden haben. Man kann ihnen über die Schulter schauen, wenn sie die Geschichte der Insel auf Palmblättern niederschreiben. Sri Lankas traditionelle Bibliotheken gestehen aus solchen Palmblatt-Chroniken. Blattstreifen der Palmyrapalme werden dazu getrocknet, gekocht, wieder getrocknet, gepresst und mit Muschelkalk behandelt. Mit einer Spitze wird geschrieben und die danach aufgestreute Asche bleibt in den Ritzen liegen, wenn man die Überreste abbürstet. So werden die Gravuren sichtbar.

Genauso entstand dieser kleine Willkommensgruß, der unsere Namen (Hubert & Uta) in der Schrift der Insel enthält.

hindu hinduWenige Kilometer weiter erreichen wir dann Matale. Nimal verspricht uns einen schönen Hindutempel. Was wir nicht vorher wissen: es findet eine Hochzeit statt. Erst wollen wir gar nicht näher hingehen, aber wir werden höflich herein gebeten. Festlich gekleidet warten Familienangehörige und Freunde darauf, bis auch sie dem Hochzeitspaar gratulieren können.


Wir jedenfalls fahren weiter durch das Hochland. Nicht, ohne vorher noch einige bunt gekleidete Hochzeitsgäste zu fotografieren.
Viel Spaß noch beim Feiern !!!


reisfelder teeEs ist Mittagszeit. Doch – und das verspüren wir als angenehm – ist es nicht so heiß wie die letzten Tage. Das hat das Hochland so an sich. Allmählich steigen wir auf knapp 1000 m Höhe. Die Landschaft geht in einen Bergregenwald über. Dazwischen kommen wir an den ersten Teeplantagen vorbei.

Aber auch Reisfelder schauen zwischen den Bäumen hindurch. Teils bereits in vollem Grün; teils aber noch unbewachsen. Die Bauern legen gerade erst die Terrassen an.

logo Nach einer wunderschönen Fahrt durch die Knuckles (1500 m hoch) erreichen wir nach 3 Stunden gegen 15:30 Uhr unser Ziel: Wasgomuwa und das dortige Safari Village Hotel. Die Straße führt direkt am See entlang. Ein Hinweisschild weist dann auf einen Feldweg. Dicosta biegt ab und wenige Meter weiter – wir fahren an Kartoffel- und Gemüsefeldern vorbei – kommen wir an.

Die Lodge hat 20 Bungalows, in denen gut zwei bis drei Personen wohnen können (drei Betten waren jedenfalls in unserer Hütte). Drinnen ist alles praktisch eingerichtet. Das Safarileben lässt grüßen. Über den Betten sind Moskitonetze angebracht. Der Deckenventilator fehlt ebenso wenig wie Taschenlampe, Kerzen, Regenschirm und Insektenspray. Auch das Badezimmer ein zweckmäßig eingerichtet. OK! So lässt es sich einige Tage aushalten.

lodgeDas Restaurant ist im Haupthaus. Aber heute findet das Abendessen draußen im Garten statt. Trotz des nahen Wassers stört kein Moskito das Essen. Grillen zirpen und die Temperaturen sind angenehm. Ein leichter Windzug kommt vom See herüber.

Doch bevor wir zum Abendessen gehen, machen Hubert und ich noch einen Spaziergang ins Dorf. Die Hütten liegen verstreut zwischen Feldern und Bäumen. Überall spielen Kinder und die Frauen sind mit den Vorbereitungen des Essens beschäftigt. Deshalb so zeitig am Tag, da nicht überall in den Hütten Strom liegt. Das „riecht“ man auch, den ständig begegnen uns Kinder, die mit Petroleumflaschen daher kommen. Brennstoff für den Abend.

Wieder zurück in der Lodge, kommt Teerehi auf uns zu. Er ist Geschäftsführer dieser Anlage, spricht etwas Deutsch und lebt hier draußen ohne seine Familie. Aber z.Zt. ist sein kleiner, 2 1/2jähriger Sohn bei ihm. Er hat – so sieht es aus – einen herrlich großen Abenteuerspielplatz bei Papi.

kanufahrtTeerehi fragt, ob wir eine Kanufahrt auf dem See machen möchten. Er hat beim Einkauf einen Fischer getroffen, der sich so ein paar Rupies verdient. Ja! Natürlich nehmen wir dieses Angebot gerne an.

Die Sonne ist fast untergegangen, als der Fischer kommt. Rein ins Kanu und los! Es ist eine herrliche Stille um uns herum. Nur das Eintauchen des Ruders ist hörbar. Ansonsten schluckt die aufkommende Nacht viele Tagesgeräusche. Auf den Seerosenblättern finden sich allerhand Wasservögel zum Übernachten an. Reiher landen in großen Gruppen auf ihren Schlafbäumen. Flughunde fliegen über uns hinweg. Nur die Eule sehen wir nicht; ihre Rufe aber hellen durch die Bäume. Es ist bereits dunkel, als uns das Boot wieder zum Ufer bringt. Die Lodge ist mit Fackeln erleuchtet und das Büfett duftet zu uns herüber.


05.02.04 – Die Nacht ist vorüber. Wir haben hervorragend unter den Moskitonetzen geschlafen. Mit Nimal treffen wir uns beim Frühstück. Alles da, was man möchte. Das Personal ist sehr um uns bemüht. Fehlt noch etwas auf dem Tisch? Omelett oder Spiegelei? Noch Tee? Mehr Toast?

Schade, das man dieses kleine Paradies nicht in jedem Reiseführer findet. Hätten wir nicht Nimal gehabt, hätten wir es auch nicht gefunden. Auf der anderen Seite auch gut: denn so bleibt es ein Geheimtipp. Und jeder – der unsere Reisestory liest – kann dieses Paradies für sich entdecken. Die Adresse steht in Unseren Hotels. Klicken Sie sich einfach hin …..

Nach dem Frühstück packen wir und setzen unsere Fahrt durch das Hochland fort. Nächstes Ziel: die Weddas! Unterwegs regnet es ein wenig. Nimal ist froh, denn die letzten Wochen hat die Insel wenig davon abbekommen und das Land braucht dringend Wasser.

weddas10:00 Uhr - Zwei Stunden sind wir wieder durch die Berge gefahren und haben einfach die Landschaft auf uns wirken lassen. Mahiyangana ist erreicht. Ein kleiner Ort, in dessen Umgebung sich ein Dorf der Weddas befindet. Sri Lankas Ureinwohner lebten bisher sehr zurückgezogen in den Wäldern. Doch die heutige Zivilisation macht Ihnen das Leben schwer. Sie sollten „eingebürgert“ werden, in dessen Folge starke Eingriffe in ihre traditionellen Siedlungen einher gingen. Es leben noch etwas 2500 Weddas auf der Insel, aber nur noch ein Teil ist an ihren Rauschebärten und der stattlichen Haarpracht zu erkennen.

Außer hier in der Umgebung von Badulla gibt es noch Siedlungen bei Ampara und Batticaloa.

weddasAls wir ankommen (es ist Feiertag auf der Insel), waren noch viele andere Menschen dort. Eigentlich schade, denn Nimal hat vor vielen Jahren hier im Dorf gearbeitet und wollte gerne einige Leute von damals besuchen. Also haben wir es vorgezogen, einen Spaziergang durch den nahen Wald zu machen zu der Stelle, an der der bekannteste Weddahäuptling in einem Staatsbegräbnis 1998 beigesetzt wurde. Nimal kannte ich gut. Als der Häutling mit 104 Jahren starb, hatte er viel für die Rechte seines Volkes gekämpft. Selbst ihren Namen „Wedda“ hören sie nicht gerne, denn es bedeutet „unzivilisiert“ oder „rückständig“. Die Ureinwohner Sri Lankas bezeichnen sich selbst als Vannialatto (Waldmenschen).

Und so bleiben uns dann doch einige Fotos zur Erinnerung. Fotos, auf denen auch wir sind. Doch ich habe immer ein eigenartiges Gefühl beim „Ablichten“ von solch unterschiedlichen Kulturen. Also bleiben diese persönlichen Bilder der Website verborgen. Doch unsere beiden Gastgeber haben wir dann alleine fotografiert.

dunhinda12:00 Uhr - Wie gesagt: es ist ein Feiertag. Viele Menschen fahren raus in die Natur. So auch zu den Dunhinda Falls, dem Wasserfall bei Badulla. 60 m fällt er herab. Doch um ihn zu sehen, müssen wir erst einen 2 km langen Marsch machen. Hinweg über Steine, an Ständen mit Obst und Getränke vorbei, über Hängebrücken hinweg, bis das Wasser tosend die Granitklippen fällt.

Weiter führt uns unsere Fahrt durch die Bergwelt. Teebüsche ziehen sich die Hügel rauf und Flüsse bahnen sich den Weg durch Täler hinweg. Allerdings sieht man auch hier, dass der letzte Regen schon lange her gewesen sein muss. Die Flussbetten sind nicht sehr voll.

Es scheint, als ob die Landschaft aus unzähligen Grüntönen  besteht: dunkelgrüne Wälder, leuchtend grünes Buschwerk und hellgrüne Reisfelder.

Gegen späten Nachmittag erreichen wir das erste Mal Nuwara Eliya. Aber wir bleiben nicht in der Stadt, denn unser Ziel ist das Zimmer 109 im Ramboda Falls Hotel. In Zeiten des genügenden Wassers sieht man vom Hotelfenster aus drei Wasserfälle. Doch z.Zt. unseres Aufenthaltes war nur einer als solcher zu erkennen.

Wir aber waren sowieso müde von dem langen Tag und den vielen Naturschönheiten und Ereignissen.

Morgen - also am 06.02.04 - fahren wir vom Hochland aus erst einmal nach Colombo. Unsere Urlaubsplanung müssen wir nämlich nach dem Feiertagskalender der Insel ausrichten, denn die Navam Maha Perahera, das Vollmondfest Maha Poya, wird in jedem Jahr vom Datum her entsprechend dem Vollmond neu festgeschrieben.




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