Sri Lanka - Nuwara Eliya

10.02.04 – Von Kandy aus fahren wir heute nach Nuwara Eliya, der „Stadt des Lichts“. Eine schöne – 84 km lange – Strecke ins Hochland rein. Serpentinen lassen nach jeder Kurve eine Überraschung vermuten. Abfahrt im Tree of Life ist um 09:00 Uhr.

tee Bald erstrecken sich neben der Straße saftige grüne Teefelder und überall begegnen uns bunt gekleidete Teepflückerinnen. Es sind Tamilen. Sri Lanka baut zwar nicht den meisten Tee auf der Welt an, ist aber der größte Exporteur.

Die Historie des Tees auf Sri Lanka begann 1830 mit dem Einzug der Engländer und ihren Kaffeepflanzungen. Aber die Kaffeepest / der Blattpilz (Hemileia Vastarix) machte den weiteren Anbau zunichte. Die Teeplantagen nahmen ihren Aufschwung, als der Schotte James Taylor 1873 einige Büsche aus Assam mitbrachte. Die Kolonialherren teilten das Land unter sich auf; kein Einheimischer konnte sich dagegen wehren. Aber auch kein Singhalese war bereit, für die englischen Herren zu arbeiten. So blieb den Plantagenbesitzern nichts anderes übrig, als sich Arbeiter und Pflückerinnen aus Südindien zu holen. So kamen die Tamilen auf die Insel. Heute leben 6 % Hindus auf Sri Lanka zum großen Teil in den Teeplantagen.

tee Zweimal im Monat werden die oberen zwei bis drei frischen grünen Blätter gepflückt; während der Regenzeit bis zu viermal im Monat. Würde man die Teebüsche niemals pflücken, so würden sie eine Höhe von 6 m erreichen. Trotz regelmäßigem Pflücken  werden die Büsche rund alle 10 Jahre auf 50 cm gekürzt. Ein Teebusch kann das stolze Alter von 100 Jahren erreichen. Dann sehen sie eher einem Bonsai ähnlich. Auf Sri Lanka unterscheidet man zwischen Tieflandtee (Anbau bis knapp 700 m ü.d.M.) und Hochlandtee (Anbau ab 700 m ü.d.M.). Die Tees um Nuwara Eliya herum kommen aus rund 1700 m Höhe.

Kurz vor Nuwara Eliya liegt die Teefabrik Lakookellie. Täglich werden hier Führungen angeboten. Die junge Dame erklärt uns freundlich – und auf Deutsch – die Wandlung der frischen grünen Blätter bis zum Schwarztee. Wichtig dabei ist zu Beginn die erste Trocknung mit warmer Luft, was einen Gewichtsverlust von 50 % herbei führt. Die so genannte „Fermentierung“ ist dann eine Oxidation mit Sauerstoffzufuhr.

Wir lassen uns nach dem Rundgang eine Tasse Tee im kleinen Restaurant schmecken. Natürlich haben auch jede Menge Teepakete ihren Besitzer gewechselt und sind mit unserem Reisegepäck nach Deutschland gekommen.

tee tee


lkw obst Es ist Mittagszeit, und wir checken im St. Andrews Hotel ein. Schon beim Reinfahren in die Stadt ist unschwer das ehemalige koloniale Ambiente der Engländer zu spüren. Wären da nicht die Schilder in der – für uns – fremd wirkenden Schrift, so würde man sich in die britischen Highlands versetzt fühlen. Das Hotel liegt zentral, aber nicht in der Stadtmitte. In der Zufahrtsstraße haben sich viele Transportunternehmen angesiedelt. Typisch sind die bunten LKWs mit Holzaufbau, die überwiegend Gemüse fahren. Diese Gegend ist ideal für den Anbau „kolonialen“ Gemüses. Ich habe es einfach zu genannt, denn wer vermutet schon Rotkohl, Porree, Blumenkohl und Kohlrabi auf Sri Lanka?

andrews andrews Also: das ist nun unser Domizil für die nächsten zwei Tage. Vom Balkon unseres Zimmers Nr. 205 blicken wir auf den Garten und eine gemütliche Sitzgruppe im Grünen. Dort lässt sich der Sonnenuntergang bei einer Tasse Tee genießen. Aber Vorsicht, denn gegen Nachmittag – wenn die Sonne niedrig steht – wird es kühl. Bei 1700 m ü.d.M. selbst auf Sri Lanka verständlich.

andrews andrews Die Zimmer sind – wie ich schon ausgeführt habe – gemütlich und mit schönen alten Möbeln ausgestattet. Sie unterscheiden sich aber doch in einer – nicht ganz kleinen – Kleinigkeit: Einige Räume haben keinen Balkon. Darauf sollte man aber Wert legen und es bei der Buchung gleich angeben.

16:00 Uhr – Mit Nimal haben wir uns auf einen Tee getroffen und wollen noch einen Bummel durch die New Bazaar Street machen. Es geht ruhig zu. Auffallend viele Tamilen sind unterwegs. Man merkt die nahen Teeplantagen. Der Markt ist noch offen und wir gehen an Ständen mit Reis und Fisch vorbei.

basar Langsam schlendern wir zum Hotel zurück. Ich merke meine Erkältung doch sehr. Husten – Schnupfen – Heiserkeit! Und kein Grippemittel zur Hand. Also greifen wir auf „gute alte Hausmittel“ zurück. Der Boy heizt den Kamin an und wir drei (Hubert, Nimal und ich) lassen es uns gemütlich sein vor dem prasselnden Kaminfeuer. Da der Kellner nichts mit unserem Wunsch nach einem Grog anfangen kann, bestellen wir einfach heißen Tee und zwei Gläser Rum. Natürlich verneinen wir die Frage nach dem Eis im Rum. Was er auch nicht versteht. Was wir damit vorhaben, wird ihm klar, als die Getränke auf dem Tisch stehen: einen heißen Tee mit Rum (in Ermangelung eines Grogs) soll es geben. Gute Besserung!

andrews Der Ober macht uns darauf aufmerksam, dass das Dinner angerichtet ist. Wir haben beim Klönen fast die Welt um uns vergessen. Das Restaurant ist –  typisch für alte englische Hotels – dunkel eingerichtet. Die gehämmerten Kupferplatten an der Decke haben über die Jahre hinweg ihren hellen Glanz verloren. Die Lampen scheinen (fast) nicht heller als die Kerzen auf dem Tisch. Ich finde es gemütlich; Hubert hingegen zieht ein etwas freundlicheres Ambiente vor.

Allmählich überkommt uns die Müdigkeit. Doch was ist das? Wir sind schon im Zimmer, als es klopft. Der zuvorkommende Boy fragt höflich, ob wir gerne eine Wärmflasche hätten. Hubert ist tapfer: Wer braucht in Sri Lanka schon so was? Ich hingegen nehme das Angebot gerne an. Natürlich nur als Heilmittel gegen meine Erkältung ?!?!?



horton plains horton11.02.04 – Auf geht’s auf die Horton Plains und zum World’s End, dem Ende der Welt!

Nuwara Eliya ist ein guter Ausgangspunkt auf die Horton Plains. Das Gate vom gleichnamigen  Nationalpark ist 32 km von der Stadt entfernt. Rund 1 ½ Stunden brauchen wir auf das 2000 m hoch gelegene Plateau. Die Vegetation hier im Bergland ist nicht ganz typisch. So finden wir Baumfarne ebenso wie Rhododendren. Flache Graslandschaft löst sich mit schönen altem Baumbestand ab. Dieses Hügelland wurde 1988 zum Nationalpark erklärt und beinhaltet eine Fläche von 3160 ha.

horton plains horton Jeder Wanderer zum World’s End sieht eine andere Tageszeit als die richtige Zeit an, zum Ende der Welt zu trecken. Viele gehen recht früh am Morgen. Zu dieser Zeit ist es zwar noch dunkel und man sieht nicht viel, aber bei aufgehender Sonne sind sie dann bereits am Ziel. Wir haben den zeitigen Vormittag gewählt. Die Sonne erwärmt dann das Grün und langsam perlen die Tautropfen von den Blättern und Blüten. Egal, wann man geht, der Weg hat immer seine Reize.

Nur noch wenige Meter liegen vor uns und das Ziel ist erreicht. World’s End. Aber es wird immer dunkler. Die Sonne scheint sich zu verziehen. Sie kann ihre Strahlen nur noch recht spärlich durch den aufkommenden Nebel stecken. Wir lassen uns nicht entmutigen und gehen weiter. Nur noch eine Kurve laut Nimal.

worlds end Und dann liegt World’s End vor uns. Besser gesagt: dort hinter dem schemenhaft wirkenden Busch fällt die Felskante abrupt 1050 m in die Tiefe. Kein Geländer schützt die Besucher. Vorsicht ist da geboten. Schade! Doch so stellt man sich eher das Ende der Welt vor, als bei strahlen schöner Sicht. Sicher, der Blick wäre dann gewaltiger, aber auch dieser Anblick hat seinen Reiz.

Lästernd könnte man sagen, dass ich an dieser Stelle auch eine „graue Grafik“ anstatt dieser Bilder hätte einbauen können, aber nur die Natur kann so viele Farbnuancen in ein tristes Grau bringen. Außerdem ist es „mutig“ (finde ich). Einige Leute waren schon vor uns hier. Und wenn diese auch eine Website haben, stellen sie sicher ihr schönstes (Sonnen)-Bild ins Netz. Wie interessant kann da ein diffus wirkendes Ende der Welt sein ….. ???

horton horton Es scheint sich nicht aufzuklären, und wir machen uns wieder auf den Weg zurück. Besser gesagt, wir wandern wieder über die Horton Plains, die ständig ihr Aussehen verändern: Wald mit hohen alten Bäumen; offene Flächen mit knorrigen Rhododendren; endlos scheinende Grassteppen mit kleinen Wasserstellen.

Allmählich nähern wir uns wieder dem Gate des Horton Plains Nationalparks. Nimal erzählt, dass es drei Namen / drei Männer gibt, die mit dem Park und der schützenswerten Gegend in Verbindung stehen. Und das nicht im positiven Sinne.

horton Doch am Schlimmsten trieb es der Engländer Farr. Ein Mann, dem sein eigener Spaß weit über die Belange der Insel, ihrer Natur und Menschen, hinausging, indem er schon vor dem Frühstück 28 Elefanten abgeschossen hat. Menschen wie er sorgten dafür, dass diese Spezies Elefanten ausgestorben ist.

Deshalb ist es für uns auch unverständlich, wie man ein Gebäude direkt vor den Toren des Nationalparks nach diesem Mann benennen kann: das Resthouse Farr In.

In vielen Reiseführern wird das Resthouse Farr Inn als Übernachtungsmöglichkeit für Besucher genannt, die in den Horton Plains und zum World’s End wandern wollen. Aber hier sei angemerkt, dass das Resthouse schon seit fast vier Jahren geschlossen ist. Das allerdings haben die Redakteure und Autoren der einschlägigen Reisebücher wohl noch nicht gehört.

Den späten Nachmittag machen wir noch einen kurzen Spaziergang in die nähere Umgebung des Hotels. Jeder, der gerne fotografiert, weiß wie schön Bilder bei Morgen- und Abendlicht werden.

Noch einmal genießen wir - bei einem Glas Rotwein - altenglisches Flair beim Dinner: Lachs, Basmatireis  und eine Zitronensoße zum Hauptgang, der einem wohlschmeckenden Krabbensalat folgt. Exotische Früchte auf einem Vanilleparfait runden das Menü ab.

Nach dem Abendessen werden die wieder einmal die Sachen gepackt, da es morgen weiter geht in den Elle Adventure Park.




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