Peru - Puno & Titicaca See

Wir nehmen das Flugzeug von Arequipa nach Juliaca. 30 Minuten dauert der Flug. Die Fahrt mit dem Bus hätte ca. acht Stunden benötigt. Aber so ist es bequemer und schneller.

Auf dem Flughafen von Juliaca begrüßt uns Olga. Sie lebt mit ihrer Familie in Puno und begleitet deutsche Touristen auf ihren Ausflügen in die Umgebung der Stadt. Ein besonderes Highlight ist der Titicaca See, der die Gäste aus aller Welt anzieht.

Juliaca ist Dreh- und Angelpunkt dieser Region. Für Touristen meist nur zur An- und Abreise wichtig, verlassen auch wir die Stadt schnell in Richtung Puno. Doch vorher stoppt Olga den Wagen an einem kleinen Restaurant und verschwindet mit den Worten (und einer großen Thermoskanne in der Hand), sie wolle Mate de Munya holen. Na ja, warten wir ab was das wird.


Munya ist ein Kraut aus der Familie der Minze. Riecht auch so und schmeckt als Tee zubereitet hervorragend (ich könnte fast “süchtig” danach werden). Munya hat ähnlich positive Eigenschaften wie Coca Blätter. Also tranken wir diesen Tee. Waren wir doch bereits auf fast 3800 Meter Höhe angelangt.

puno puno Die Straße nach Puno ist gut zu befahren bis zu der Abzweigung, die uns rechts auf eine kleine Nebenstraße führt. Schlagloch an Schlagloch, aber Olga verspricht uns ein schönes Ziel: Sillustani an der Laguna Umayo.
Das Alter dieser historischen Anlage liegt im Dunkel. Die Spanier haben sie “als gerade fertig gestellt” bezeichnet. Allerdings stammen diese Grabtürme aus der Colla-Kultur und die sind nachweislich ein Jahrhundert vor der Eroberung der Spanier durch die Inkas bezwungen worden. Die Collas lebten von 1200 bis 1450 n.Chr. in dieser Gegend.

puno sillustani Diese bis zu 12 Meter hohen chullpas dienen als Grabkammern für Adlige. Man hat sie zusammen mit ihren Familie und Besitztümern hier beerdigt. Die Türme sind aus massiven Quadern errichtet und über Rampen aufgerichtet. Der Granit stannt aus den umliegenden Steinbrüchen und wurde zu diesen polierten Quadern gehauen.Ein niedriger Eingang in den Mauern ermöglichte, dass die Toten in Richtung Sonnenaufgang blicken konnten.

Zur Anlage gehört ebenfalls ein Sonnentempel. Im Licht der untergehenden Sonne schaut man von den Grabtürmen auf die Ruinen herunter. Wir stehen am Hatun Ayawasi; so wird der Platz genannt, an dem die größten chullpas stehen.

puno puno

In der Nähe des Dorfes Sillustani besuchen wir eine Bauernfamilie. Das Gehöft liegt inmitten der Felder und Weiden ihrer Tiere. Freundlich begrüßt uns die ganze Familie und wir sind gleich in der Küche am Herd. Was da wohl in den Töpfen brodelt?

puno punoKartoffeln sind es, eines der Hauptnahrungsmittel dieser Bauern.

Natürlich sind wir zum Essen eingeladen. Es gibt gekochte Kartoffeln (ganz wie bei uns zu Hause: Pellkartoffeln) und Käse (er ähnelt stark dem italienischen Mozzarella, nur etwas fester).

So sehen Kartoffeln aus, wenn sie auf dem Feld getrocknet werden.
Dazu lässt man sie einige Tage in der heißen Sonne und nachts bei fast °C liegen.
Zwischendurch werden sie angefeuchtet.
Sind die Kartoffeln erst einmal so eingetrocknet, kann man sie mehrere Monate einlagern und von ihnen essen, wenn die Ernte nicht genügend frische Kartoffeln gebracht hat.
Warmes Wasser im Kochtopf macht sie essbar, der Geschmack allerdings ist dann süßlich.

Zum Schluss ein Blick in den Stall: auch hier sehen wir Meerschweinchen (leider für den peruanischen Kochtopf bestimmt). Das es aber auch Geschichten mit Happy End gibt, ist auf der Seite Cusco nachzulesen.

puno puno


Es ist schon dunkel, als wir in Puno ankommen. Die Höhe macht sich durch unangenehme Kälte bemerkbar. Deshalb sind wir froh, dass unser Zimmer im Sillustani Hotel beheizbar ist. Ein heißer Mate de Coca und eine schmackhafte Hühnersuppe wärmen dann auch noch von innen.

titicaca see titicacasee Gleich nach dem Frühstück am anderen Morgen holt uns Olga ab. Zum Hafen ist es nicht weit, und wir steigen auf das dort wartende Boot um. Es ist jetzt keine Hochsaison, deshalb haben wir Glück: ein Boot ganz für uns alleine. Und so beginnt unsere Fahrt auf dem höchstgelegenen schiffbaren See der Welt, denn der Titicaca See liegt 3856 Meter hoch und mit seinen ca. 8000 qkm fast 13 mal so groß wie der Bodensee. Der überwiegende Teil gehört zu Peru, doch ein kleines Stück liegt hinter einer unsichtbaren Wassergrenze auf bolivianischem Gebiet.

Titi bedeutet Puma und caca bedeutet Stein. Die Peruaner lächeln verschmitzt, denn ein Puma ist sicher etwas Besonderes als ein Stein.

Wir jedenfalls schippern erst einmal aus dem Hafen heraus. Vorbei an kleinen Inseln, auf denen Kühe weiden.
Weiter draußen im See tauchen dann große Schilfinseln auf. Wir erblicken Häuser, Menschen und Boote.

titicacasee titicacasee Auf diesen Inseln leben die Uros. Eine Volksgruppe, die es nur hier auf dem See gibt. Besser gesagt: gab. Es leben zwar noch heute Uros hier, aber sie haben sich im Laufe der Jahrhunderte mit anderen Bevölkerungsgruppen verheiratet. Das letzte reinblütige Stammesmitglied war eine 1959 verstorbene Frau. Heute erwirtschaften die Menschen hier an See ihren Lebensunterhalt mit Fischfang und der Herstellung von Kunsthandwerk, das sie den Besuchern anbieten und verkaufen.

titicacasee titicacasee
Diese Schilfinseln bestehen aus Totora, dem hier am See wachsenden Schilfrohr. Regelmäßig müssen die Uros den Inselboden von oben her mit neuem Material verstärken, denn die unteren - sich im Wasser befindlichen Schichten - verrotten. Es ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man vom Boot auf diese weichen, leicht schwankenden, Inseln tritt.

Richtig “gefährlich” sehen die Köpfe an den Schilfbooten aus. Noch heute werden sie nach alter Tradition hergestellt. Doch auch diese Naturboote verrotten schnell, so dass die Männer ständig neue bauen müssen.

Diese Boote haben schon als Vorbild für die Ra I und Ra II gedient, mit denen der norwegischen Forscher Thor Heyerdahl die Fahrt über den Atlantik gewagt hat.

titicacasee titicacasee

Unsere Bootsfahrt ist weniger abenteuerlich und dauert auch nicht so lange. Von Schilfinsel zu Schilfinsel geht es in ca. 15 Minuten.

titicacasee titicacasee Damit wir es aber “heute noch schaffen” bis zur Isla Taquile , steigen wir wieder um in unser Motorboot. Die dortigen Bewohner haben trotz der Touristen ihre Kultur erhalten können. So begegnen uns schon am Anleger Männer mit Stricknadeln. Hat die Emanzipation hier den “umgekehrten” Weg genommen? Nein, sicher nicht. Doch die bunten Mützen, die die Männer hier auf der Insel tragen, stricken sie selbst. Egal, wo sie hingehen, sie haben immer ihre bunten Wollknäuel und Nadeln dabei. Allerdings brauchen sie doch noch “weibliche Unterstützung”, denn das Spinnen (natürlich der Wolle) überlassen sie den Frauen.

Vor uns liegt nun ein herrlicher Weg unter strahlend blauem Himmel durch die Felder hinauf in den einzigen Ort der Insel.

punoOlga hat viel zu berichten von den Menschen, dem See und den Inseln. Über die Geschichten, die man sich hier erzählt. So auch die Story diese rosaroten Blüten, die überall auf den Insel blühen: Man schenkt sie Freunden und Gästen, heißt sie willkommen und wünscht Ihnen ein glückliches langes Leben.

Doch auch irgendwann geht dieser Tag vorüber, und wir müssen ja noch gut zwei Stunden zurück an Land. Also zurück zum Inselufer. Unser Boot wartet dort bereits.

Die Fahrt vergeht allerdings wie im Flug (und viel zu schnell), denn Olga hat noch jede Menge Geschichten vom Titicaca See, den Uros und ihrem Großvater, der irgendwann - 30jährig - auch einmal heiraten möchte, aber nicht die Richtige findet. Doch eines Tages begegnet sie ihm. Als er ihre Eltern um Erlaubnis zur Heirat bittet, lehnen diese ab, da ihre Tochter noch sehr jung und dazu noch arm ist.

titicacasee Dem angehenden Bräutigam aber stört das nicht, so nimmt er die junge Frau mit nach Hause. Die bekommt allerdings Angst und läuft mitten in der Nacht weg. Was nun? Der junge Mann sattelt sein Pferd und sucht nach ihr. Findet sie dann auch und nimmt sie wieder mit in sein Haus.
Ganz langsam “muß dann doch die Liebe gekommen sein”, denn es stellten sich Kinder ein.

Olga aber macht uns glaubhaft klar, dass sie sich ihren Mann alleine gesucht hat.
Als “Beweis” dient dieses Foto, denn neben Olga (es ist die mit der Flöte) sitzt Kate, ihre Tochter und die bestätigt uns, dass ihre Mutter immer nur dann weggeht (-läuft), wenn sie deutschen Touristen (wie uns) den See zeigt.


Wir verabschieden uns von Olga und vom Titicaca See und nehmen den klimatisierten Touristenbus nach Cusco.



Peru : Lima : Paracas & Nasca : Arequipa & Colca Canyon : Puno & Titicaca See : Cusco : Valle Sagrado : Inka Trail : Blanquillo & Regenwald : ... zurück nach Amerika