Peru - Cusco

26. und 27. Juni 2001 

Nach einer neunstündigen Busfahrt – die gleich zu Beginn von einer Motorpanne und einem daraus resultieren Fahrzeugwechsel unterbrochen wurde – werden wir in Cusco, dem “Nabel der Welt” ankommen.

Zwischenstopps lassen die Fahrt nicht zum stundenlangen Albtraum werden.

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Der höchste Punkt der Straße bei dem Dorf La Raya auf einer Passhöhe von 4335 Meter ist einer dieser Aufenthalte. Es ist eigentlich ein großer Parkplatz für Busse und Marktständen mit bunten Stricksachen; freundlichen, redegewandten Marktfrauen und Touristen, die sich das eine oder andere warme Kleidungsstück in Anbetracht der teilweise winterlichen Temperaturen zulegen.

Auch bei uns wechselt ein winzig kleiner weißer Babypullover mit einem niedlichen braunen Lama den Besitzer. Der oder die neue ErdenbürgerIn wird sich – wenn er/sie in wenigen Wochen auf der Welt sein wird – über dieses kuschelige Kleidungsstück freuen (Großeltern können es eben nicht lassen und kaufen, was ihnen für die Enkelkinder gefällt).

raqchiAuch Raqchi lädt zum Anhalten ein. Diese alte Inka Anlage liegt rund 50 km vor Cusco. Eine heilige Pilgerstätte, die Anfang des 15. Jahrhunderts vollendet wurde. Glanzstück ist sicherlich der gewaltige zweigeschossige Wiracocha Tempel gewesen, von dem heute nur noch Teile der hohen Innenwände stehen. Seine Ausmaße waren 302 m in der Länge und 83 m in der Breite.

raqchiDie Säulen sind zusammengebrochen. Wo sie gestanden haben, kann man noch erkennen. Beeindruckend ist eine Wand von fast 36 m Höhe.

Es wird berichtet, dass dieser Tempel einst das größte Stroh- und Holzdach im Inkareich hatte, bevor es durch die Spanier zerstört wurde.

Neben dem Tempel gab es in der Anlage noch 12 Wohnhäuser für Priester; diese waren ca. 20 qm groß.
Es gab aber auch Lagerhäuser für Getreide, Mais und andere Vorräte.
Zeremonielle Bäder waren am Rand der Anlage erbaut.


cusco cusco Es ist gegen 18:00 Uhr als wir in Cusco ankommen und dunkel. Überall so nahe dem Äquator wird es früh und schlagartig Nacht. In der Straße Santa Theresa No. 344, nahe der Plaza de Armas, liegt das Picoaga Hotel.

Unser Domizil für die Zeiten, die wir hier in der Stadt verbringen werden. Denn von Cusco aus geht es in das Valle Sagrado (Heiliges Tal), auf den Camino Inca (Inka Trail) und in den peruanischen Regenwald. Dies hat seinen Vorteil, denn wir können jedesmal unser Gepäck, das wir gerade nicht brauchen, im Hotel deponieren. Wozu auch um alles in der Welt benötigt man warme Thermounterwäsche im Regenwald? Und wozu einen Moskitoschutz auf den Höhen der Anden.

Cusco  liegt in 3416 Meter Höhe und ist mit rund 360.000 Einwohnern (Region Cusco = 1,2 Mio. EW) eine der Großstädte des Landes. Im 11. Jahrhundert gegründet, und am 23. März 1534 von Francisco Pizarro für Spanien eingenommen, ist die Stadt heute ein Touristenmagnet.1983 wurde sie in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen.

Nicht nur der Inka Trail und das nahe Machu Picchu ziehen die Menschen aus aller Welt an, auch die Inka Ruinen in und um die Stadt herum. Namen wie Sacsayhuaman (siehe die beiden nachfolgenden Bilder), Kenko, Puca Pucara und Tampumachay stehen für diese alten Bauwerke.

sacsayhuaman sacsayhuaman Die Inkafestung  von Sacsayhuaman liegt 3 km außerhalb vom Stadtzentrum entfernt und ist heute teilweise von Erdbeben zerstört. Mehr als 100 m Durchmesser hatte die Anlage und lange Treppen führten auf die Festung hinauf.
Der Name Sacsayhuman stammt aus dem Quechua und bedeutet so viel wie „Kopf“. Schaut man nämlich von oben auf die Anlage, so sieht sie wie ein Pumakopf aus.
Man sagt, dass zur Bauzeit im 15. Jahrhundert hier mehr als 20.000 Menschen gearbeitet haben sollen. Die Mauern haben eine Länge von 600 Meter und sind teilweise bis zu 10 Meter hoch.

Eigentlich wollten wir am 24. Juni hier in Cusco sein, aber da war kein Hotelzimmer zu bekommen. An diesem Tag zur Mittsommer findet auf Sacsayhuaman das Inti Raymi statt; ein Sonnenfest. Freunde erzählten uns, dass das Fest etwas ganz Besonders ist. Für uns war bekanntlich dieser Tag ebenfalls ein „besonderer Tag“, denn wir hatten gerade das Erdbeben in Arequipa überstanden …

cuscoÜber 500 Jahre haben ihnen, bzw. das, was die spanischen Eroberer übrig gelassen haben, nichts ausgemacht. Selbst Erdbeben können die Mauern nicht erschüttern. Die Inkas waren gute Baumeister und kannten ihr Land.
Wie sonst konnten die damaligen Bauherren  solch 12-eckige Steine aus dem Fels hauen. So wie am Calle Hatunrumiyoc (hatun rumiyuq: „mit dem großen Stein“) – Die Mauer des ehemaligen Palastes des Inca Roca. Der Stein ist  ein Beispiel für die Technik der fugenlosen Verblockung riesiger Steine.

Plaza de Armas. Armas ist das Wort für Waffen. Der Name kommt aus der Zeit der Spanier. Sie haben in den Städten sog. Exerzierplätze für ihre Armee gebraucht. Da wurden große quadratische Plätze geschaffen, die auch gleichzeitig der Mittelpunkt des Ortes war. Kirchen, Paläste, und Häuser der spanischen Verwaltung standen direkt an diesen Plätzen. Das offizielle spanische Leben fand hier statt.

cusco cusco Auch heute ist der Plaza dieser Mittelpunkt für die Bevölkerung. Morgens, so gegen 10:00 Uhr, erwacht der Platz zum Leben. Händler/innen, kleine Schuhputzer und Postkartenverkäufer/innen bestürmen die Touristen. Gehen sie nicht zur Schule? So, wie die vielen anderen Kinder, die wir morgens und nachmittags in Reih und Glied mit ihrer Schulkleidung über die Plaza gehen sehen? Es ist schon die Armut, die diese Kinder zum Geldverdienen zwingt. Eine Kette ohne Ende: denn wovon sollen sie später einmal leben, wenn sie heute nichts lernen?

Unter den Arkaden der Häuser an der Plaza befinden sich kleine Geschäfte, Agenturen, die Touren in den Regenwald und auf den Inka Trail anbieten, nette Restaurants und Cafes zum Verweilen. Ach ja, und da sind dann auch die – wie aus dem Boden sprießenden – Internetcafes. Fast jeder junge Peruaner hat seine Emailadresse und ist fleißiger Besucher dieser Einrichtungen. So ungefähr zwei Mark kostet eine Stunde Surfen im Netz. Ein sehr beliebtes Hobby der Jugend (darin ist sie in nichts anders als die Jugend bei uns zu Hause).

cusco cuscoWir haben die Tage zwischen unseren Touren dazu genutzt, hier in Cusco auszuspannen, zu shoppen. Wir haben Souvenirs gekauft und die üblichen Ansichtskarten nach Hause geschrieben. Und wir sind einfach nur so durch die Straßen gebummelt und haben dem bunten Treiben zugeschaut.

Zum Abendessen haben wir uns ein nettes Restaurant ganz in der Nähe unseres Hotels gesucht. Ein Buffet zum Schlemmen. Wir finden das Reinschauen in die Töpfe interessanter und besser, als das Lesen von Speisekarten in spanischer Sprache. Nur ein Topf blieb tabu für uns! Nämlich der mit dem Cuy!


Cuy oder Meerschweinchen


Egal, wie es genannt wird: Haustier bleibt Haustier. Vor allem dann, wenn man - nun mal ich - diese kleinen possierlichen Dinger immer mit Frau von Bödefeld in Verbindung bringt. Na ja, das muss ich wohl erklären:

Frau von Bödefeld hieß das Meerschweinchen der Kinder meiner Freundin. Ein recht eigenwilliges Tier, das es verstand, immer den Kopf durchzusetzen.

Meerschweinchen oder Cuy sind ein Nationalgericht in Cusco. Die Peruaner lieben dieses Fleisch nun einmal.

Wie gesagt: der Wermutstropfen während unserer allabendlichen Restaurantbesuche steht auf den Buffet: die Meerschweinchen. Enthäutet, aber mit Kopf. Teils portionsweise aufgeschnitten. Der nette Kellner hinter dem Buffettisch erklärt uns, was in den einzelnen Schalen ist: Huhn, Fisch, Rind, Lamm, Alpaka. Und? Natürlich Cuy. Er muss jedes mal lächeln, wenn wir freundlich dankend, aber energisch “Nein!” zu seinem Angebot sagen.

Für uns steht fest: Frau von Bödefeld wird nicht verspeist !!!


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Es geht aber auch anders, wie man sieht. Dieses rein vegetarische Meerschweinchen sahen wir auf dem Lunchbuffet im Posada del Inca in Yucay im Valle Sagrado. Dorthin geht jetzt unsere Reise.

Guten Appetit !!!







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