Nordindien - Radjastan, Teil 1

Dieser Teil beschreibt unsere Reise nach UdaipurMount AbuRanakpur und Jodhpur.


Indiens zweitgrößter Staat ist aus dem historischen Rajputana - dem Land der Königssöhne - hervorgegangen.

Geprägt von Sanddünen im Westen, Gebirge im Süden und landwirtschaftlich genutzten Flächen im Osten, ist Radjastan ein Land voller Gegensätze.

Der Monsun - kommt er oder kommt er nicht - ist lebensnotwendig für dieses Land. Ausgiebige Regenfälle lassen den Boden erblühen; Dürreperioden gefährden die Existenz so mancher Bauern. Viele von ihnen müssen dann ihre Äcker aufgeben.

Herumziehende Hirtennomaden, sesshafte Bauern, bilden ein reiches Völkergemisch: stolze Nachfahren der kriegerischen Rajputen.

Wir wollten dieses Land kennen lernen. Dazu bringt uns der Flieger in knapp zwei Stunden von Delhi nach Udaipur, wo unsere Reise beginnt .....

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03. Oktober:
Bereits kurz vor 08.00 Uhr landen wir in Udaipur. Hier am Flughafen erwartet uns dann Adjif, unser Fahrer, den wir schon in Delhi kennen gelernt haben. Mit einem weißen Ambassador - einer in Indien gebauten Limousine - begeben wir uns nun auf eine Tour durch das Land der Paläste.

hotel Doch erst einmal fahren wir ins Shikarbadi Hotel, einem ehemaligen Jagdhaus des Maharajas von Udaipur. Außerhalb der Stadt gelegen, umgibt ein großer Park die Gebäude. Reitställe sind ebenso vorhanden wie ein Poloplatz, ein Wildgehege für Hirsche und Rehe, sowie kleine Pavillons zum Verweilen. Eben alles, was die damalige "feine” Gesellschaft so an Zeitvertreib und Kurzweil brauchte. Die Zimmer liegen nebeneinander in rustikalen - jedoch mit allen Annehmlichkeiten - ausgestatteten “Reihenhäusern” (so jedenfalls sieht es aus). Ist man erst einmal im Zimmer, fällt der Blick auf eine urige Decke. Besser gesagt: auf die Dachbalken mit offen liegenden Ziegeln. Diese Ziegel allerdings sind wunderschön von unten sichtbar verziert.

Da aber diese Dachziegel das einzige sind, was den Himmel vom Inneren des Raumes trennt, hört man jeden Regentropfen. Dafür hören wir aber andere Geräusche. Nämlich die von Füßen. Füßen der Affenherde, die täglich den Park heimsuchen. Die Angestellten des Hotels geben sich dann viel Mühe, diese kleinen Plagegeister zu verscheuchen. Das allerdings macht mehr Krach als wenn die Affenbande einmal hin und einmal her über die Dächer rast. Doch wenn das Hotelpersonal überzeugt vom Erfolg der Vertreibung ist und wieder den normalen Tätigkeiten nachgeht, kommen die Tiere wieder. Erneut beginnt das Rennen über unseren Köpfen.
Wir jedenfalls gewöhnen uns an diejenigen, die uns da aufs Dach steigen.

park park Beim Bummel durch die Stadt kommen wir auch an einem idyllischen Park mit vielen Brunnen und Wasserspielen vorbei. Früher für die Töchter des Maharajas angelegt (damit sie sich - geschützt vor den Blicken der Bevölkerung - in freier Natur bewegen konnten, wurde dieser Park geschaffen.

Heute bestaunen Touristen die Anlage, ruhen sich aus von der Hektik da draußen auf der Straße. Auch wir genießen das Plätschern des Wassers in den zahlreichen Springbrunnen.

palast elefantenfries Uns führt dann der Weg zum Stadtpalast, der heute noch teilweise von der Maharaja-Familie bewohnt wird. Andere Teile der umfangreichen Anlage beherbergen ein Hotel und ein Museum.

Gleich daneben liegt der Vishnu geweihte Jagdish-Tempel. Dieser 1651 erbaute Tempel ist mit sehr schönen Elefantenfriesen verziert. Wir werden auf unserer Reise noch viele solcher Friese sehen, so z.B. später in Khajuraho.

udaipur Etwas außerhalb des Zentrums besuchen wir dann den Fateh Sagar See; hier sind einige interessante und sehenswerte Überreste von Tempelanlagen zu sehen. In aller Ruhe schauen wir uns um und drücken oft auf den Auslöser der Kamera.

gerüst Natürlich - so wie in jedem Land, das wir bereisen - muss mein Mann Gerüste ansehen. Sträuben sich ihm doch die Nackenhaare, wenn er so etwas sieht. Immer wieder kommt der Beruf in ihm durch, wenn er auf solche Konstruktionen trifft. Na ja, nach deutschen DIN-Normen und Sicherheitsvorschriften sieht das nun mal nicht aus.


Dromedare Als wir Udaipur verlassen, begegnen uns überall auf den Straßen große Kamelherden, besser gesagt: Dromedare. In dieser Gegend gibt es Farmen, die sich besonders mit der Aufzucht dieser Wüstenschiffe beschäftigen. Heute noch kann jeder Inder, der eine Kamelstute hat, diese zum Decken in die Station bringen. Hat er mehr als fünf Kameldamen zu Hause, kommt das männliche Gegenstück auch zu ihnen.

udaipur Die Tiere werden auf diesen Farmen auch für das Militär gezüchtet. Eine Reitereinheit der Indischen Armee ist ein Überbleibsel aus kolonialer Zeit. Einmal im Jahr, nämlich am Tag der Republik am 26. Januar, reiten die stolzen Soldaten in Paradeuniform auf ihren reich geschmückten Kamelen den Rajpath - der breiten Straße zum Parlamentsgebäude in New Delhi - entlang.

Ebenfalls sieht man überall auf dem Land solche Ochsenkarren, mit denen die Bauern ihre Ernte in die größeren Orte auf die Märkte bringen.



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05. Oktober:
In gut 1200 Metern Höhe liegt Mount Abu zwischen der Himalayakette im Norden und den Nilgiris Bergen im Süden Indiens. Aufgrund der Höhenlage ist es beliebter Erholungsort der Inder, die während der heißen Monate März bis Juni und September bis Dezember gern in dieses Gebirge kommen.

hotel hotel Wir haben schon die 185 km lange Fahrt von Udaipur hierher genossen. In großen Serpentinen steigt die Straße spürbar an. Das Bergklima bringt auch angenehmere Temperaturen und leichten Wind. Unser Ziel ist das Connaught House. Anfang des vorigen Jahrhunderts erbaut, ist es heute renoviert und bietet einer handvoll Gästen Platz. Die Zimmer sind noch mit diesen schönen alten Möbeln bestückt, die das Flair eines Einheitshotelzimmers erst gar nicht aufkommen lassen. Breakfast, Lunch und Dinner nehmen wir gemeinsam im großen Speisezimmer ein. Der ovale Tisch ist Mittelpunkt bei den Mahlzeiten.

In der Morgensonne sitzt täglich ein älterer Herr vor dem Eingang. Er freut sich, wenn Gäste mit ihm sprechen, und dabei erzählt Thakur Baney Singh (so sein Name) uns, dass er früher Diener bei dem englischen Herrn war und nun hier im Haus weiterhin seinen Lebensabend verbringen darf. Stolz zeigt er uns die viele Post, die er aus aller Herren Länder bekommen hat. Sicher zieren auch jetzt die Bilder - die uns beide mit ihm zeigen - seine Fotosammlung. Wir haben sie ihm mit Grüßen und weiteren Bildern unserer niedersächsischen / hannoverschen Heimat geschickt.

kuh Besonders froh sind wir, dass der im Ortskern gelegene Nakki See die Gelegenheit zum Spaziergang bietet. Ganz um ihn herum führt ein ruhiger Weg, teils durch Wald, teils an wunderschönen Wochenend- und Sommerhäusern vorbei. Selbst die Kühe scheinen hier die Ruhe zu genießen.

verkleiden Das Inder gerne fotografieren (vor allem sich selbst und die Familie), haben wir schon gemerkt. Hier am See ist das aber ein besonders ausgeprägtes Hobby. Unzählige Stände mit historisch nachgearbeiteten Kostümen befinden sich an der Strandpromenade. Fotografen warten auf indische (vielleicht auch ab und zu auf ausländische ?!?!?) Gäste, um sie - verkleidet - abzulichten. Wir sehen dabei zu und machen das eine und andere eigene Foto.

dilwara Mount Abu ist nicht nur unser Ziel, um einige Tage zu relaxen, wir wollen auch die Dilwara Tempel besuchen. Dem Heiligtum der Jainisten geht der Ruf voraus, außergewöhnlich schön und reich mit Steinmetzarbeiten ausgestattet zu sein. Diese Aussage stimmt. Wir können das bestätigen. Aber das können auch viele, viele andere Touristen. Die fünf Tempel sind teilweise überfüllt. Ruhe und Beschaulichkeit kommt da nicht gerade auf. Die Jain Tempel von Dilwara sind etwa 2 ½ Kilometer von entfernt.

Obwohl die Jainisten viele derartig prunkvolle Tempel in Radjastand gebaut haben, so sind für sie die Tempel von Dilwara die architektonisch eindrucksvollsten. Besonders die geschnitzten Türen, Decken und Säulen. 

Eigentlich darf in den Tempeln nicht fotografiert werden, aber einmal habe ich doch auf den Auslöser der Kamera gedrückt



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Schade, dass wir im Dilwara Tempel die Kamera in der Tasche lassen müssen, aber es ist eine heilige Stätte und das soll gewahrt werden im Sinne der Gläubigen.

ranakpurAdjif weiß aber Rat! Er verspricht uns einen zweiten Tempel dieser Art. Hier in Ranakpur steht ebenfalls ein Heiligtum der Jainisten, mit ebenso fein in Marmor gemeißelten Skulpturen, Säulen und Reliefs. Hier dürfen wir auch fotografieren. Weniger Ausländer verirren sich in diesen Tempel. Wir lassen einfach diesen Traum von Schönheit, der alles Dagewesene übersteigt, auf uns wirken.

ranakpurRanakpur ist wegen der Tempelgruppe aus dem 15. Jahrhundert, der wohl größten und am üppigsten ausgeschmückten Tempelanlage der Jainisten in Indien bekannt. Ranakpur liegt auf einer Höhe von 486 m im Westen der Aravallibergkette und  10 km südlich der Kleinstadt Sadri (zwischen Jodhpur und Udaipur).

Im Zentrum eines quadratischen Hofes liegt der Haupttempel, der Adinatha. Nach den vier Seiten ist der dreigeschossige Zentralraum von offenen Säulenhallen (Rangamandapa) umgeben. Die gesamte Tempelanlage misst außen 66 × 68 m.

Die Kuppeln (teilweise bis 11 m Durchmesser) sind als Ringschichtendecken ausgebildet (eine Formangleichung an islamische Bauten) und erheben sich über einer achteckigen Lage aus Steinbalken, die den Übergang zu 12 im Quadrat stehenden Säulen bilden. Die Dachformen aller Gebäude werden von insgesamt 1444 tragenden Säulen gestützt.

ranakpur ranakpur



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jodhpur07. Oktober:
Knapp 5 Stunden dauert die Fahrt von Mount Abu über Ranakpur in die blaue Stadt Jodhpur. Woher sie ihren Namen hat, ist unschwer zu erkennen, denn der Blick hinunter vom Meherangarh Fort sagt auch warum. Viele Häuser erstrahlen in blau, der Farbe der Brahmanen. Noch heute scheinen die Menschen in Jodpur diese Farbe zu mögen.

adjit Wir haben uns für die nächsten Tage im The Adjit Bhawan einquartiert. Die Hotelanlage ist eine der schönsten ihrer Art. Eine himmlische Ruhe, wenn man durch das große Tor in den Garten tritt und dem Verkehr auf der Straße den Rücken kehrt. Früher ein ehemaliger Stadtpalast der Maharajas von Jodpur, ist das Haus mit seinen Bungalows heute eine der edelsten Herberge für Besucher von Jodhpur.

feuerJedes Apartment hat einen separaten Eingang mit einer kleinen Terrasse und Sitzgelegenheit davor. Wir wohnen im Bungalow mit dem klangvollen Namen Warrior / Krieger. Wir fühlen uns sofort “heimisch”, gleicht doch unser Familienname fast dem übersetzten Begriff. Ob nun Krieger oder Ritter, uns war es egal.

Direkt vor unserer Bungalowtür finden wir diese roten Eimer. An einem Gestell hängend, mit Sand gefüllt und dem weißen Aufdruck mit den Hindi- und englischen Worten für “Feuer”. Sollen wir - wenn es brennt - damit löschen?

Wir schieben einfach den Gedanken daran beiseite und schmunzelt immer ein wenig darüber, wenn unser Blick auf die Feuerlöschanlage fällt.

Mit Kusum, unserem Begleiter, erkunden wir dann die Stadt. Natürlich steht zuerst das Meherangarh Fort auf dem Programm. Der Weg hinauf ist schon ein (musikalisches) Erlebnis. Das kleine Mädchen tanzt nur für uns.

tanz dachUnd genau hier - wo das kleine Mädchen uns einen Tanz vorführt, haben wir auch einen weiten Blick hinunter in die Stadt. Ein Blick auf kleine Häuser, enge Gassen, spielende Kinder, Mädchen an der Pumpe am Brunnen, einen Milchladen und ein Blick auf das flache Dach eines Hauses. fladen Dort sehen wir etwas, was wir so bei uns nicht kennen: trocknende Kuhfladen.

Hier in Indien ist dieses Naturprodukt Brennmaterial für die Küche. Damit wird die ganze Familie bekocht. Glaubwürdig erhalten wir die Antwort, dass der Brennstoff nicht stinkt, wenn er im Ofen ist. Die junge Frau jedenfalls formt die runden Platten aus Dung. Nach dem Trocknen werden sie aufgestapelt und verheizt.

Die Festungsanlage wurde Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut und überragt Jodhpur vom 120 m hoch gelegenen Grat des Hügels. In den Folgejahren immer wieder erweitert und restauriert, wird das Fort heute von einer 36 m hohen Mauer umgeben. Sieben Tore führen in das Innere des 475 x 75 m großen Komplexes. Das viele Menschen in den Mauern gewohnt haben, macht dieses Bild deutlich. Was das ist? Eigentlich klar erkennbar! Es ist eine ganz gewöhnliche Bratpfanne. Na ja, heute bei den Kleinfamilien können wir uns diese Ausmaße überhaupt nicht mehr vorstellen. Damals gab es aber viele Mäuler zu stopfen.

pfanne mann

Dieses Bild muss einfach gezeigt werden! Der Herr darauf ist ungefähr 80 Jahre alt. Die meiste Zeit davon war der Rajpute im Dienste des Maharajas. Heute - kein Soldat mehr - bewacht und beschützt er die Festung vor uns Touristen. Gemütlich hat er es sich bei einer Opiumpfeife gemacht.

basar basarWir tauchen jetzt ein in die Welt der Basare. Einfach nur treiben lassen, ist unsere Devise. Schlendern zwischen Marktständen, Menschen, Kühen und Rikschas hindurch. Ein Blick in das Stofflager des Textilhändlers. Wie wäre es mit neuen Kochtöpfen vom Eisenwarenhändler? 

basar
Und etwas Lustiges haben wir auf dem Basar auch erlebt. Das habe ich in den Geschichten aus Indien aufgeschrieben.



Wir verlassen den Basar und kommen wieder am alten englischen Glockenturm vorbei, der hier so wie ein Fremdkörper unter all den indischen Bauten steht. Vor uns liegt ein letzter Abend im Adjit Bhawan, denn morgen  reisen wir weiter in die Wüste Thar und nach Jaisalmer ...






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