Nordindien - Khajuraho

23. Oktober:
Wir sind auf unserer Reise im dritten Bundesstaat Indiens angekommen: Madhya Pradesh.

khajuraho Sollte ich einen Ort nennen, der den größten Eindruck bei mir hinterlassen hat, so würde ich ganz spontan diese Tempelstadt Khajuraho nennen. Vor mehr als 1000 Jahren haben an dieser Stelle begnadete Künstler Bauten, Skulpturen und Wandreliefs geschaffen, die ihresgleichen suchen. Nach dem den Untergang der Chandella-Dynastie im 12. Jahrhundert wurden die Tempel nicht mehr benutzt und sieben Jahrhunderte lang dem Wuchs des Dschungels überlassen. Erst im Jahr 1906 begannen systematische Ausgrabungen, die schließlich zur Wiederentdeckung dieses architektonischen Meisterwerkes führten. Die Gruppe von mit erotischen Abbildungen versehenen Tempeln gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

khajurahoBewundernswert sind die feinen, bis ins kleinste Detail naturgetreu ausgearbeitete Kunstwerke. Was für hervorragende Handwerken mussten das gewesen sein, die mit den damaligen - sicherlich - einfachen Werkzeugen so umgehen konnten.

khajuraho Die Herrscher der Chandella-Rajputen haben zwischen 950 und 1020 diese Tempel erbauen lassen. Teilweise waren die Heiligtümer nur für den Chandella-Dynastie offen. Das Volk hatte zu einigen Gebetsstätten keinen Zutritt. Waren es zur Zeit der Erbauung rund 80 (aus historischen Quellen stammende Zahl) Tempel, so sind es heute nur noch 24, die die Jahrhunderte überdauert haben.

Es werden keine Messen oder Gottesdienste - wie wir sie kennen - abgehalten. Jeder Gläubige hält schweigend und für sich Zwiegespräche mit seinem Gott. Ein Tempel neuerer Zeit symbolisiert das Nebeneinander der drei Religionen Indiens: Hinduismus, Buddhismus und Islam.

khajuraho khajuraho

Die Tempel liegen weit verstreut in einer großen parkähnlichen Anlage. Gepflegte Wege, blühende Blumen und alte, ehrwürdige Bäume laden zum Verweilen ein. Die Sonne scheint, und wir sitzen einfach so unter einem dieser unzähligen Baumriesen. Lassen das Leben und Treiben an uns vorbei ziehen.

Zugegeben, wenn man diese Bilder sieht, kommt einem unwillkürlich der Gedanke, es handele sich um pornografisch angehauchte Skulpturen.

khajuraho khajuraho Berücksichtigt man den Zeitgeist damaliger Jahrhunderte, die hohe Kultur und die tiefe Religiosität, so wird man begreifen, was die Kunstwerke darstellen sollen: nämlich das bürgerliche und höfische Leben dieser Epoche.

Ein sehr gläubiger Mann, ein Mönch nämlich, war es, der das Kamasutra schrieb. Obwohl schon über 1000 Jahre alt, ist das Buch an manchen Stellen noch sehr modern. Es war in vielen Dingen seiner Zeit voraus.

Wir kamen mit einem Inder ins Gespräch, der uns folgende Geschichte erzählte: Die Tatsache, dass Indien lange Jahrhunderte von anderen Kulturen und Völkern unterdrückt wurde, lässt heute den Eindruck aufkommen, dass Indien rückständig sei. Doch “sein” Land hat eine viel ältere Kultur als mancher Staat der übrigen Welt. Toleranz, Gleichberechtigung und persönliche Freiheiten waren damals stark ausgeprägt.


Mit diesen Bildern verlassen wir die Tempel von Khajuraho und reisen weiter nach Varanasi.



Indien : Delhi : Radjastan, Teil 1 : Radjastan, Teil 2 : Ranthambore NP : Agra : Khajuraho : Varanasi : Geschichten aus Indien :
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