Nordindien - Delhi

01. Oktober: 
Der Flug verläuft ruhig. Nach knapp sieben Stunden landet unsere Lufthansa-Maschine - von Frankfurt kommend - in Delhi.

Lt. einem meiner Kollegen würde dann das Auschecken mit Koffer holen und Passkontrolle mindestens ein bis zwei Stunden dauern. Nun gut!

oberoi Aber irgendwie kommt alles besser: Wir absolvieren die Einreiseformalitäten in knapp 30 Minuten und werden dann - freundlich begrüßt von unseren Fahrer - verhältnismäßig schnell in unser Hotel, das Oberoi Maidens, gebracht. So können wir bereits kurze Zeit später die Füße in unserem Zimmer hochlegen. Noch einen Tee, das Nötigste aus dem Koffer nehmen und erst einmal schlafen .....

Der erste Morgen in Delhi. Frühstück im Hotelgarten, ein kurzer Plausch mit anderen Gästen und dann die Frage: Was tun wir heute? Ziel ist der Connaught Place. So etwa ähnliches wie der Mittelpunkt von Neu Delhi. Der Platz ist kreisrund. Eine Straße führt direkt um den grünen Kern herum. Wie mit dem Lineal gezogen, führen neun Straßen radial in alle Richtungen. Hier am Herz der Neustadt erhalten wir dann auch den ersten Einblick in das Verkehrsgewühl einer indischen Großstadt. Ach Gott, sind wir froh, nicht selbst am Steuer eines Wagens sitzen zu müssen. Hauptsache die Hupe und die Bremse funktionieren an indischen Autos. Verkehrsregeln? Wir erkennen fast keine. Bestimmt hätten wir es uns auch nicht getraut, so ohne weiteres in eine dieser Straßen rein zu fahren.

imperial Neu Delhi hat zwar breite übersichtliche Verkehrswege, aber dafür auch viele Autos, Mofas, Fahrräder und Co. Wir selbst reihen uns ein in das große Heer der Fußgänger und bummeln erst einmal rund um den Connaught Place mit all seinen Geschäften, Banken, Fluggesellschaften, Büros usw. herum.

Irgendwann verspürten wir dann so etwas wie Durst. Auch unsere Füße melden langsam einen gewissen Ruhebedarf an. Also nehmen wir Kurs auf das Imperial Hotel am Jan Path. Da drüben auf der anderen Straßenseite liegt es. Wir suchen einen Zebrastreifen. Es gibt keinen. Na ja, wer hat auch schon Zebras in Indien gesehen? Also müssen wir die Straße so überqueren. Das ist leichter gesagt als getan. Ein Stoßgebet gen Himmel und los .....

Das Imperial ist eines dieser schönen alten Hotels in Delhi. Im Garten lässt sich gemütlich ein Kaffee (oder Tee, oder sonst etwas) trinken und entspannen. Das tun wir auch und bewundern dabei die Kellner in ihren traditionellen Anzügen.

Viel interessanter als New Delhi ist natürlich Old Delhi, auch Shajahanabad genannt. Keine geraden, breiten Straßen, keine leuchtenden Reklameschilder an großen Schaufenstern, keine Hochhäuser und Hotels. Nein! Hier finden wir kleine Verkaufsstände vor den Häusern; Menschen, die einkaufen; Rikschafahrer, die gefährlich hoch getürmte Paketberge befördern und Kühe, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen und da lang laufen, wo sie wollen.

rotes fortUnser Ziel war das Rote Fort / Red Fort / Lal Qila. Der rote Sandstein, aus dem die Festung vom Mogul-Kaiser Shah Jahan im 16. Jahrhundert erbaut wurde, gab ihr den Namen. Shah Jahan war es auch, der mit dem Bau des Forts den Grundstein für die Siebte Stadt Delhi legte.

rotes fortShah Jahan hinterließ prachtvolle Paläste, Moscheen und Gartenanlagen. Künstler aus aller Herren Länder arbeiteten für ihn. Edelsteine und Marmor zierten jede Säule, jeden Brunnen, einfach jedes Haus. Juwelen und Gold wurden ebenso “verbaut” wie edle Hölzer, Teppiche und Seide.

rotes fort Wir bummeln einfach nur so durch die Anlage. Gehen durch das Lahore Tor hinein, vorbei am Nakkar Khana (Musikpavillon), hin zum Diwan-I-Am, der offiziellen Audienshalle des Kaisers. Dahinter liegt - eingebettet im Park - der Rang Mahal (Palast der Frauen) und der Khas Mahal, der Palastbereich des Kaisers. Im Diwan-I-Khas, wo Shah Jahan seine Gäste empfing, soll er gesagt haben: Wenn es ein Paradies auf Erden gibt, dann ist es hier, hier! (so steht es geschrieben über diesem Eingang).

Weniger paradiesisch ging es dann zu Beginn des 17. Jahrhunderts weiter: die Perser gingen als Sieger aus der Schlacht hervor. Mehr als 30.000 Bewohner Delhis starben, und mehr als 18.000 Kamele, Pferde und Elefanten brachten die Reichtümer als Kriegsbeute nach Persien.

rotes fort rotes fort

delhi Wieder vor dem Fort angekommen, fällt unser Blick hinüber zur Jama-Moschee. Indiens größte Moschee ist nicht zu übersehen. Mitte des 16. Jahrhunderts in rotem Sandstein und weißem Marmor erbaut, ist sie heute Mittelpunkt des religiösen Lebens der islamischen Gemeinde der Stadt. Jeden Freitag kommen mehr als 20.000 Gläubige zum Gebet.

jamaDoch auch an den anderen sechs Tagen der Woche besuchen viele Moslems die Moschee. Wir fanden es daher fehl am Platze, einfach so mit der Kamera herumzuknipsen. Deshalb haben wir uns für einen anderen Blickwinkel entschieden, nämlich den “weg von der Moschee”. Für dieses Foto standen wir innerhalb ihrer Mauern und blickten hinunter auf das Treiben in den Straßen des moslemischen Viertels.

schlange Wir ziehen weiter durch die Stadt. Was hören wir da für Klänge zwischen dem Autolärm hindurch? Wie in Trance bewegt sich die Schlange im Rhythmus der Flötenmusik des Spielers. Oder sollte es da einen Trick geben?

qutb minar Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist das Qutb Minar, jenes fünfstöckige Minarett aus rotem Sandstein, das mit 72,5 Metern der höchste - von Menschenhand geschaffene - Turm Indiens ist. Seit 1993 ist er Teil des Weltkulturerbes der UNESCO.

1199 erbaut, hat ein Erdbeben 1803 die obere Kuppel zum Einsturz gebracht. Heute liegt sie einfach so im grünen Rasen der Anlage. 1848 bekam der Turm eine neue Dachkuppel.

qutb minar Das Minarett ist ein Meisterwerk aus Schnitzarbeiten. Jeder der fünf Etagen sieht anders aus. Marmor-Einlegearbeiten verzieren die Steine. Gemeißelte Koranverse umkränzen die Säule.

Wenige Meter neben dem Turm steht eine ungefähr 7 m hohe und 6 t schwere Eisensäule. Nein, nicht irgendeine Säule, sondern eine aus dem 8. Jahrhundert, die aus 98% Schmiedeeisen geschaffen wurde und von so hoher Qualität, dass heute noch keine Roststelle an ihr nagt.

Aber was wäre Indien ohne seinen Glauben an überirdische Mächte? Wie sonst sollte sich der Glaube so lange gehalten haben, der sagt, dass jeder, der die Säule rücklings umfassen kann, ewiges Glück erfahren wird?

Obwohl verboten, steigen die jungen Inder in Massen über den Zaun, um ein bisschen Glück zu erhaschen.

mausoleumWas ist das? Ist es etwa das ...
Nein, hier stehen wir vor dem Mausoleum von Safdar Jang (Großwesir und General des Mogulkaisers Mohammed Shah), dem seine Familie 1754 nach seinem Tod dieses Grabmal erbauen ließ. Es ist der letzte große Bau während der Mogulära und die letzte mit einer Gartenanlage verbundene Grabstätte in Indien.
30 Jahre vor der Grundsteinlegung des Taj Mahal in Agra wurde es fertig gestellt. Man sagt, dass sich Shah Jahan von dieser Grabstätte hat inspirieren lassen für sein Grabmal der Liebe zu seiner Frau.

delhi

Allmählich wird es Abend und wir bummeln vorbei Häusern und Gebäuden, die im Schein der untergehenden Sonne ein ganz besonderes Farbenspiel bieten. Den Abend verbringen wir gemütlich im Oberoi Maidens.



03. Oktober:
Wir verlassen Delhi und fliegen nach Udaipur zu unserer Reise durch Radjastan - Rajputana, dem Land der Königssöhne.


Indien : Delhi : Radjastan, Teil 1 : Radjastan, Teil 2 : Ranthambore NP : Agra : Khajuraho : Varanasi : Geschichten aus Indien :
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