Namibia - Swakopmund

... kurz Swakop genannt, ist unser nächstes Ziel. Direkt am Meer gelegen, erwartet uns dort ein fast mediterranes Flair, ein mildes Klima und das ehemalige Deutsch Südwest.

362 km ist die Strecke von Windhoek nach Swakop. Die B 2 ist gut zu fahren. Über Usakos fahren wir nicht gerade an großartigen Sehenswürdigkeiten vorbei, aber unser Ziel ist das Meer.

Linksverkehr ist angesagt. Es klappt hervorragend. Ab und zu begegnet uns ein Auto, doch irgendwie wurden wir das Gefühl nicht los, dass man uns von weitem als Touristen erkannte. Hatten wir und geoutet? Nein, ich glaube, dass es an dem neuen, weißen, beulenfreien Auto aus japanischer Herstellung lag, der aufgrund des kleinen Firmenschildes an der Heckscheibe als Mietwagen zu erkennen war.

Hubert und ich wechselten uns beim Fahren ab. Mein Mann saß auf dem Beifahrersitz, ich am Steuer. Da passierte es. Vor uns begann die Straße zu flimmern. Sollte es so heiß sein? Wir kamen näher, aber das Flimmern ließ nicht nach. Die Erklärung folgte auf dem Fuß (besser gesagt: auf dem Reifen): neuer Asphalt. Ganz frisch lag er vor uns, aber nirgends ein Hinweisschild auf Straßenbauarbeiten. Wohin nun? Sollte ich rechts fahren auf der Seite, wo keine neue Decke aufgebracht worden ist? Aber was tun, wenn nun doch ein Auto von vorne kommt? Dann hieß es: rein in den neuen Asphalt. Stellen Sie sich ein neues, weißes Auto vor, mit dem Sie da durchfahren!!!

Wir haben das erlebt. Nach der Baustelle sind wir ganz vorsichtig ausgestiegen. Der weiße Lack war über und über mit kleinen schwarzen klebrigen Sprenkeln versehen. Wie - um alles in der Welt - soll das wieder abgehen? Wäre es mein eigenes Auto gewesen, ich hätte sicher einen Wutausbruch bekommen. Aber es half ja nichts. Wir fuhren weiter nach Swakop, geradewegs zum Autovermieter. Für den schien es nichts Neues zu sein. Wir ließen das Auto da und nach einer Stunde stand es frisch gereinigt wieder vor dem Hotel. Wie haben die das nur abbekommen?

Hotel Kurz nach dem Mittag sind wir dann im Hotel Schweizerhaus angekommen. Schnell waren unsere Sachen ausgepackt und schon ging’s runter an den Strand. Beim Gang über die Promenade kam uns allerdings nie der Gedanke, dass wenige Meter hinter der Stadtgrenze die Namib beginnt. Trocken, sandig und so gar nicht üppig grün und mit Blumen übersäht. Sicher auch ein Kontrastprogramm zu unseren Tagen im roten Sand der für mich schönsten Wüste der Welt.


Strandpromenade Die Ferienhäuser liegen direkt an Strand. Nur wenige Meter und es ist Baden angesagt. Brrr, kalt war das Wasser schon. “Schuld” daran hat der Benguelastrom, der hier an der Küste vorbeifließt. Na ja, mit den Füßen haben wir uns schon reingetraut. Wir sind eben keine geborenen Wasserratten. Dafür haben wir die oft der untergehenden Sonne zugeschaut, die den Strandhäusern immer einen leicht roten “Farbanstrich” gab.

LeuchtturmUnd die lange Strandpromenade lädt immer wieder zum Bummeln ein ...

 Nachmittags saßen wir gern auf der Gartenterrasse vom Schweizerhaus - im Cafe Anton - bei Kaffee und Kuchen. Nein, es musste nicht unbedingt Schwarzwälder Kirschtorte sein (viele Gäste schwören allerdings darauf). Das Schokoladeneis erfüllte all meine süßen Träume. Wie lange wir dort verbrachten und mit den anderen Besuchern plauderten, wissen wir nicht so genau. Der Blick allerdings auf den Leuchtturm im Schein der Abendsonne verriet, dass der Tag zu Ende geht.


Doch nun: ab ins Nachtleben von Swakop. Was lag da näher als ein zünftiges Bier nach Deutschem Reinheitsgebot von 1516. Im Brauhaus Swakopmund sprach man deutsch. Ob Swakop Hell oder Dunkel, ob Windhoek Hell oder Dunkel, es schmeckt: dieses Bier vom Fass. Mit einem Schinkenbrot ließ das Abendessen keine Wünsche offen. Oder doch? Wollten wir nicht eigentlich nach Afrika? Irgendwie fehlt da doch noch was .....


Anmerkung: Es war ein Katastrophe, als in der Nacht zum 25.03.2010 das Brauhaus bis auf die Grundmauern niederbrannte. Doch der Eigentümer des Gebäudes, Werner Willi Gossow, fackelte nicht lange: „Das bauen wir wieder auf.“ „Kaiser Werner Willi“, wie er von Allen genannt wird, hielt sein Wort und seit August 2010 erstrahlt das traditionsreiche Restaurant wieder im neuen Glanz. Brauhauseigentümer Enjo Müller und Manfred Strzelecki freuen sich ebenso darüber wie der Wirt Christian Baas.

Apotheke Da draußen in den Weiten dieses Landes muss nicht nur die Kleidung perfekt und das Auto fahrtüchtig sein, sondern auch die Versorgung mit Medikamenten stimmen. Was lag da näher als der Besuch der Adler Apotheke. Die älteste ihrer Art: 1909 gegründet. Als wir sie fotografierten, wurde gerade die Fassade neu gestrichen. Für Hubert selbstverständlich ein Grund für dieses Bild. Der Beruf macht es unumgänglich alles zu fotografieren, was nur den Anschein eines Gerüstes hat. Was würde die deutsche Bauaufsicht dazu sagen?

Swakopmund hat seinen Namen vom Swakop, der hier in dem Atlantik mündet. Die Stadt mit ihren rund 20.000 Einwohnern ist kulturell stark durch die deutsche Kolonie geprägt. 1892 landete das deutsche Kanonenboot “Hyäne” an diesem Küstenstreifen und so wurde auch der Grundstein für die ersten Siedlungen gelegt: Swakop begann zu wachsen. Noch heute zeugen Straßennamen wie Am Zoll, Kaiser Wilhelm Straße, Moltke Straße, Schul- und Poststraße davon.

JettyDie ersten Siedler waren es auch, die von diesem Ort aus den Weg ins Landesinnere erschließen wollten. Schiffe übernahmen damals die Versorgung aus Europa und so musste - da das flache Ufer nur das Löschen der Schiffe mit Booten erlaubte - eine Landungsbrücke her. Die erste Holzkonstruktion erreichte 1907 eine Länge von 325 Meter, doch die Brandung forderte sehr schnell ihren Tribut.

Jetty
So sollte 1912 mit dem Bau der neuen - 640 Meter ins Meer ragende - Landungsbrücke (von den Einheimischen Jetty genannt) begonnen werden. Der erste Weltkrieg stoppte des Bau bei 262 Meter.

Doch nach wie vor setzt immer wieder das Salzwasser der Konstruktion arg zu. Ständig muss ausgebessert werden. So wurde die Brücke 1985 erst wieder freigegeben, nachdem Betonpfeiler sie verstärkten.

Anmerkung: Die letzte Restaurierung der Jetty fand 2005/2006 statt.

Dampflokomotive An dieser Stelle des Reiseberichtes möchte noch etwas zu Martin Luther (?!) sagen:

Die Lok ist nämlich ein Überbleibsel aus alter deutschen Zeit. Im Jahre 1896 hat Leutnant Trost versucht, mit dieser Dampflokomotive einen mechanischen Transportdienst ins Land einzurichten. Also kaufte er in Halberstadt kurzerhand vom eigenen Geld die Lok samt Lokomotivführer, verschiffte beide hierher. Doch das 280 Tonnen schwere Gefährt schaffte in drei Monaten lediglich die Strecke von 30 km bis hier vor die Tore der Stadt.

Kam da nicht Schadenfreude auf, als das Ungetüm einfach im feinen Sand versank? In einer feuchtfröhlichen Stammtischrunde fiel das das überlieferte Wort: “Hier steh ich, ich kann nicht anders”. Martin Luther sprach diesen Satz im April 1512 vor dem Reichstag zu Worms. Gottesfürchtige Siedler sind eben auch einfallsreich in der Namensfindung. Nun steht sie heute noch da, die Lok namens Martin Luther. Von der Regierung zum Nationalen Erbe erklärt.

Die Tage vergingen wie im Flug. Wieder einmal war das Packen von Koffer und Auto angesagt. Über die B 2 ging’s Richtung Norden. Die 244 km schafften wir in gemütlichen fünf Stunden. Mit Hilfe der Landkarte fanden wir auch problemlos Omaruru. 500 Meter hinter der Stadtgrenze sollte es dann rechts abgehen. Doch weit und breit kein Abzweig zu sehen. Nur Feldwege! Sollte es einer von diesen sein? Aber welcher nur? Zurück in Omaruru gingen wir zur Tourist Information. Aber auch hier wusste niemand genau den Weg zur Gästefarm. Also: ran an das Telefon. Friedhelm von Seydlitz erklärte lachend den Weg. Nie hätten wir den alleine gefunden. Das Hinweisschild war umgekippt. Wer schaut schon hinter einen Busch nach?



Namibia : Windhoek : Namib Wüste : Swakopmund : Etoscha Pfanne : ... zurück nach Afrika