Namibia - Namib Wüste

Unsere Sachen sind im Geländewagen verstaut, und wir verlassen Windhoek in Richtung Westen. Vor uns liegen 240 km. Langsam werden die Straßen leerer und der Asphalt wird von Schotter, dann von festgefahrenem Sand (Waschbrettpisten) abgelöst.

Namib WüsteDie Gegend wird hügeliger, Pässe müssen überfahren werden. Irgendwo da vorne müssen wir hin. Nur gut, dass wir Andreas haben, der uns mit dem Jeep abgeholt hat. Bei diesen Straßenverhältnissen müssen die Autos einfach in einem hervorragenden Zustand sein. Gerade war unser Geländewagen aus der Werkstatt gekommen (Innerhalb von 14 Tagen war es die dritte Windschutzscheibe!). Da vorne kommt eine Staubwolke (ein anderer Wagen).

Andreas von der Reiseagentur African Extravaganza, sitzt mit geballter Faust hinter dem Steuer. Warum tut er das bloß? Die Erklärung ist einfach: sollte der uns entgegenkommende Wagen einen Stein aufschleudern und die Windschutzscheibe treffen, so würde Andreas sofort mit der Faust die Reste der zersplitterten Glasfront herausschlagen.

Nest
Die wenigen Bäume der Namib sind Anziehungspunkt der Webervögel. Die gefiederten Bauherren erstellen kunstvolle Nester, die wie hier in einer knorrigen Akazie ein Zuhause für viele hundert Vögel gebaut haben. Eine Besonderheit hat uns Andreas aber noch gezeigt: Wespen haben sich auch eingenistet. Also ist Vorsicht geboten!


Lodge Uns war das Glück hold: keine geplatzten Reifen, keine defekten Scheiben. Ohne Probleme erreichten wir gegen Mittag die Namib Naukluft Lodge, die die nächsten Tage unser Domizil sein sollte. Von hier aus wollten wir die Stille und Weite der ältesten Wüste der Erde genießen. Für mich hat diese Sandwelt etwas Abenteuerliches, etwas Einzigartiges an sich.

Die Lodge hat 12 Reihenbungalows, von deren Terrasse aus wir wir in die Weite der Namib sehen konnten.

Die Häuser sind gemütlich eingerichtet, und wir haben jedes Mal - wenn wir aus der Sandkiste kamen - die wohl temperierte Dusche genossen. Es gab da nämlich etwas besonderes: einen Pool - mitten in der Wüste. Hubert hat ihn ausprobieren wollen und steckte den Fuß rein. Brrr! Eisig kalt kam ihm das Wasser vor. Na ja, so sehr wollten wir uns nun nicht abkühlen. Das taten wir lieber am offenen Feuer sitzend bei einem Bier, einem Wein, oder was man sonst gerade trinken wollte. Doch spät wurde es nicht, denn am nächsten Morgen sollte es früh rausgehen. Wir wollten zum Sonnenaufgang im Soussusvlei sein.

VleiDas Vlei ist das ausgetrocknete Flussbett von Tsaucha. Heute sammelt sich hier nur noch selten Wasser an, höchstens in einigen wenigen tiefen Senken.

Andreas erzählte uns, dass, wenn es nicht bald regnen würde, das Vlei wohl nie wieder Wasser führen wird. Denn die beiden Sanddünen rechts uns links des Ufers versanden das Flußbett so stark, dass sich kein Wasser mehr ansammeln und halten kann.


NamibLangsam ist in der Zwischenzeit die Sonne aufgegangen, und wir haben dabei das Farbenspiel der Dünen bewundert. Von gelb über orange bis rot lagen sie da vor uns. Andreas fand einen schönen Platz, wo wir - eingehüllt in warme Jacken - auf die Sonne warteten. Es ist eben kühl in der Wüste, wenn der Tag die Nacht ablöst.

Andreas führte uns dann direkt hinein in das Soussusvlei. Hier unter den Bäumen haben wir erst einmal ausgiebig gefrühstückt. Morgens in der Lodge gab es um 5 Uhr - bevor wir losfuhren - nur einen warmen Tee.

So eine “Große Leere”, wie die Namib von den früheren Bewohnern genannt wurde, ist die Wüste sicher nicht. Wir mussten zwar genau hinsehen, konnten aber viele Tiere finden, die hier in bewundernswerter Weise dem harten Leben trotzen. Käfer - wie der Skarabäus - oder Echsen und Schlangen haben es gelernt, sich den hohen Temperaturschwankungen anzupassen. Ist der Sand tagsüber an der Oberfläche bis zu 70 Grad heiß, so liegen die Temperaturen 30 cm unter der Erde bei konstanten 32 Grad. Viele Tiere vergraben sich am Tage und werden erst nachts aktiv. Gegen Morgen sahen wir die dicken schwarzen - für die Namib typischen - Käfer, wie sie Richtung Meer standen, den Kopf nach unten hielten und mit den Tautropfen, die von ihrem Rücken liefen, ihren Durst stillten.

Die Namib erstreckt sich auf 1300 km entlang der Küste. Der nördliche Teil ist mit schroffen Felsen und Schluchten durchzogen, der Süden hingegen ist ein Sandmeer mit wunderschönen Dünen.
In der Sprache der Hottentotten bedeutet Namib “Große Leere”.
Der Namib Naukluft Park ist mit 50.000 qkm der größte des Landes. 1907 gegründet, ist er auch der viertgrößte der Welt.

SanddüneFür mich allerdings der schönste Platz in der Namib ist die Düne 45. 45 deshalb, wie sie genau in der Mitte zwischen dem Beginn der Naukluft und dem Soussusvlei, also bei Kilometer 45, liegt. Sie ist der wohl meisten fotografierte Sandhaufen der Welt. Überall erblicken wir nur roten Sand. Etwas davon steht jetzt bei uns zu Hause, zusammen mit kleinen Erinnerungen aus Namibia.

Wir hatten das seltene Glück, dass außer uns weit und breit keine anderen Besucher waren. Wo wir hinschauten, nur Stille und Einsamkeit. Doch aufgepasst, das stimmt nicht so ganz. Plötzlich war da ein Skarabäus, ein Glückskäfer. Er lief einfach über unsere Füße hinweg und buddelte sich dann seelenruhig in den weichen roten Sand ein. Fast wie in Zeitlupe verschwand er. Oder wir sahen kleine Eidechsen, die ständig von einem Fuß auf den anderen hüpften, weil der Sand so heiß war.




Road Die Namib ist nicht gleich Namib. Zum einen besticht sie mit endlosen Sanddünen, zum anderen mit Jahrmillionen alten Granitformationen. Wir machen uns auf zur Welwitschia Road. Dabei durchfahren wir eine grandiose Mondlandschaft.

Mit einem Permit - das wir ebenso auch in dem Namib Naukluft Park benötigten - ausgerüstet, dürfen die ausgeschilderten Pisten nicht verlassen werden. Nur zu schnell können all die kleinen, auf dem ersten Blick unscheinbaren, Flechten zerstört werden. Schon viele Reifen vor uns haben dieses empfindliche Ökosystem zerstört. Nur allmählich erholt es sich wieder. Auf den vielen Stopps, die wir beim Durchfahren dieser Landschaft gemacht haben.

Doloritgestein Vorbei geht’s an Hügeln mit außergewöhnlichen Kuppen. Diese schwarzen Doloritgesteine sind flüssiges Lava, dass vor Millionen von Jahren aus dem Erdinneren hervorkam und diese bizarren Bergrücken formte.

Welwitschia mirabilis Immer tiefer dringen wir in diese Mondlandschaft ein, die es so schon seit tausenden von Jahren gibt. Teilweise sind noch die Spuren alter Pferdegespanne neben der heutigen Piste zu erkennen.

Wir wollen aber zu dem Ort, an dem die älteste Pflanze unserer Erde wächst: die Welwitschia mirabilis. Benannt nach dem österreichischen Botaniker F.M.J. Welwitsch (1806-1872), der diese einzigartige Pflanze das erste Mal am 3. September 1859 während seiner botanischen Studien an der Skelettküste sah.
Er war überzeugt, dass Schönste und Herrlichste gesehen zu haben, was die Tropenländer Südafrikas darbieten können. Heute ist die einzigartige Pflanze im Wappen Namibias, der Stadt Swakopmund und der Region Kunene zu finden.

Käfer Es gibt männliche und weibliche Pflanzen, und sie haben den Anschein, als ob sie aus vielen länglichen Blätter bestehen. Doch es sind nur zwei, die sich beim Wachsen spalten. Es ist schon spannend, diese fossilen Pflanzen zu sehen. Im rechten Bild sind die zapfenförmigen Blütenstände der weiblichen Pflanze zu sehen.

Ein Exemplar blickt - großräumig eingezäunt - auf gut 1.500 Jahre zurück. So jedenfalls sagt es ein Schild aus, das am Rande des Zaunes zu lesen ist. Es gibt nach heutigen Schatzungen nur noch rund 6000 Pflanzen in der Namib Naukluft.

WelwitschiaNur der morgendliche Tau versorgt die Pflanze mit dem nötigen Wasser, das von den Blätter herab in das darunter liegende Erdreich sickert. Die Wurzeln nehmen es dort auf. Darum ist Vorsicht geboten. Bitte nicht zu dicht an die Blätter herantreten, damit der Boden nicht verdichtet und das Wasser nicht aufnehmen kann.

Lok


Unsere Zeit in der Namib, bei den Dünen und der Welwitschia, geht langsam zu Ende. Wir werfen noch einmal einen Blick zurück auf diese beeindruckende Landschaft. Andreas fährt uns mit dem Geländewagen zurück nach Windhoek. Wir wechseln den fahrbaren Untersatz und holen unseren Mietwagen ab.

Auf der B 2 fahren wir jetzt nach Swakopmund. Und dort begegnet uns dann Martin Luther. Sie glauben es nicht?



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