Malaysia - Cameron Highlands

08.Oktober:
Die Nacht ist vorbei. Wir haben gut geschlafen. Meine von den Hornissen lädierten Körperteile sind zwar etwas geschwollen und rot, aber Unkraut vergeht bekanntlich nicht. Wir haben schließlich Urlaub, und darum werden kränkelnde Gedanken einfach beiseite geschoben.

turm turm Shah, unser Guide, holt uns gegen neun Uhr ab. Unser nächstes Ziel: die Cameron Highlands. Zuerst führt die Straße noch ein Stück an der Küste hoch, bis sie ins Landesinnere abbiegt. Nicht, ohne in dem Ort Teluk Intan einen Stopp einzulegen. Hier steht nämlich der Schiefe Turm. Nein! Nicht der von Pisa, sondern der von Teluk Intan. Eigentlich ein alter Wasserspeicher, hat sich der Turm langsam zur Seite geneigt. Irgendwie ist er ein Foto wert. Ebenso wie die hübschen, bunten Vogelbauer, die ein Händler einfach an die Straßenlampe neben dem Turm aufgehängt hat.

Es gibt überall etwas zu sehen. So halten wir, als wir durch ein Dorf der Korbflechter kommen. Der Bambus wächst überall im Wald. Ganze Familien leben vom Flechten.

korbkorbDer Bambus, so erfahren wir von den Flechtern, wächst sehr schnell; fast 50 cm pro Tag. So gibt es das ganze Jahr über nachwachsende Rohstoffe, nachdem die Stängel nach drei Jahren Wachstum verholzt sind. Auf alten Maschinen werden dann die Bambusrohre gespalten und zu schmalen furnierähnlichen Streifen geschnitten, die dann zu großen Körben verarbeitet und auf den umliegenden Märkten verkauft werden.
Es ist eine harte und beschwerliche Arbeit, wie auf dem Bild zu sehen ist: nur mit Handschuhen kann sich der junge Mann gegen die scharfen Kanten der Bambusstreifen schützen.

Das wir den Highlands näher kommen, ist daran zu spüren, dass sich die Straße ab Tapah  nun allmählich in mehr oder weniger engen Kurven die Bergen hinauf windet. Vorbei an Reisfeldern und Teeplantagen. Ein kleiner Wasserfall lädt zur Pause ein. Wir nutzen diesen Stopp, um auf dem kleinen Markt an der Straße Bananen zu kaufen. Kleine Bananen, die einfach besser schmecken als die großen gleichmäßig geformten Dinger bei uns zu Hause im Supermarkt.

Von Tapah sind es 60 km bis Tanah Rata, dem touristisch interessanten Ort der Camerons. Der Weg führt vorbei an vielen kleinen Orang Asli Dörfern.

mann In einem der zahlreichen Dörfer machen wir Halt. Wann schon sieht man einen Blasrohrschützen so aus den Nähe?
Wir haben es selber versucht, aber mit sehr kläglichem Erfolg. Nur gut, das wir nicht unser täglich Brot (Fleisch) auf diese Art und Weise erlegen müssen.
Doch was hat der Schütze da am Bein? Schnell haben wir es erkannt! Klettern - wenn auch nur am Bein eines Menschen - ist für ein kleines Affenbaby schon eine Anstrengung.

tee Teefelder, so weit das Auge reicht. Bis hoch hinauf in die Berge stehen die sattgrünen Büsche, deren junge Blätter täglich am frühen Morgen von den Pflückern abgeerntet werden. Die Teebüsche sehen aus wie runde Wollknäuel, die dicht an dicht vor uns liegen. Die Pflanzen kannte man einst nur in China, doch 1823 wurden erste wildwachsene Büsche in Indien entdeckt, die man dann 10 Jahre später begann zu kultivieren. Danach gab es überall in geeigneten Regionen Teeplantagen. Ein Setzling braucht allerdings drei Jahre, bis er die Größe hat, um zum ersten Mal geerntet zu werden. Dann aber bis zu 50 Jahre lang.

tee Es war 1929, als der Schotte John Archibald Russell hier in den Camerons Land kaufen durfte, um Tee in dieser Region zu kultivieren. Heute ist seine Firma Boh Plantations der größte Tee-Erzeuger in Malaysia.
Wir haben uns eine der Boh-Teeplantagen angesehen. Man kann die Fabrik besichtigen. In großen Tafeln an den einzelnen Maschinen ist der Ablauf genau nachzulesen, wie aus den frischen grünen Blättern der würzige Tee wird. Bei der Produktion von Schwarztee durchlaufen die Teeblätter fünf Stufen: das Welken (Withering), damit die Blätter weich und zart werden, das Rollen (Rolling), das Aussieben, die Oxidation und zum Schluss die Trocknung (Firing).

Ist zu Beginn des Rundgangs durch die Fabrik noch das frische Grün zu riechen, so staubt es – durch den Arbeitsprozess bedingt – später immer mehr. Ein richtiger brauner Pulverfilm hat sich auf Gesicht und Arme gelegt. Doch interessant ist es schon zu erfahren, wie viel Arbeitsgänge notwendig sind, damit wir eine gute Tasse Tee genießen können. Und das tun wir dann in dem kleinen Teeladen der Plantage. Natürlich ist auch eine größere Portion Tee in unser Reisegepäck gewandert. Und – wieder zu Hause in Deutschland – trinken wir ihn z.B. beim Betrachten all unserer Urlaubsbilder von Malaysia.

hotel camerons Außer Teeplantagen gibt es in den Highlands, die sich von 600 m bis 2031 m Höhe erstrecken, auch unzählige Gärtnereien, die ihre Blumenpracht überall im Lande verkaufen. Und wenn keine Blumen auf den Feldern wachsen, so sind es Reis und andere Gemüsesorten.

Und woher unser Hotel, das Strawberry Park Resort, seinen Namen bekam, ist unverkennbar: von den Erdbeeren, die hier überall in Plantagen gezogen werden. Eine große Schale davon – und auch noch ganz frisch geerntet – haben wir mitten im Oktober gegessen.


Mittlerweile ist es 18:00 Uhr, als wir nach einem langen, ereignisreichen Tag im Hotel einchecken. Idyllisch am Hang und etwas außerhalb von Tanah Rata gelegen, müssen wir einfach das Schild an der Haustür filmen. Durian-Verbot in den Zimmern!

logo

Durians, auch „Dornenfrüchte“ genannt, schmecken zwar süß, stinken aber meilenweit gen Himmel. Weder ins Flugzeug noch ins Hotel darf man sie mitbringen. Man sagt, dass nur der, der Asien versteht, auch Durians (essen) mag. Durians haben ihren Preis. Liebhaber zahlen bis zu 25 Euro pro Frucht. Haupterntezeit ist Juni bis August und November bis Februar.

Sie mögen zwar den Einheimischen schmecken, aber wir haben uns da nicht rangetraut ...

kellie09. Oktober:
Uns zieht es weiter. Auf dem Weg nach Ipoh  kommen wir an dem Geisterhaus Kellie’s Castle vorbei. William Kellie Smith hat sich hier sein eigenes Königreich schaffen wollen. Im Jahre 1915 begann er, seinen Traum in die Tat umzusetzen. Mit Arbeitern aus Indien (das Gebäude zeigt starke indische Bauelemente) hat er mehr als 11 Jahre gebaut. Fertig gestellt wurde das Haus nie, denn Kellie starb 1926 auf dem Wege nach England, wo er einen Lift für sein Castle kaufen wollte.

kellie Sein Traum, dass er in diesem Haus mit seiner Familie wohnen würde, hat sich nie erfüllt. Noch heute glauben die Menschen, dass es in der Ruine spukt. Na ja! Wir haben jedenfalls keinen Geist gesehen. Nur Tauben, die die vielen kleinen Nischen in dem Gemäuer als Nistplatz nutzen.

Von den oberen Stockwerken des Hauses blickt man über das Land der einstigen Kellie-Plantage. Bis hin zu dem nahen hinduistischen Tempel, den Kellie für seine indischen Arbeiter hat bauen lassen. Auch hier wieder eine Besonderheit: Kellie hat sein Abbild direkt neben die Heiligenfiguren setzen lassen.

Die alten Gemäuer haben auch in den zurückliegenden Jahren viel erlebt. So wurden sie während des Zweiten Weltkrieges von den japanischen Truppen stark beschädigt. Heute hat sich eine Institution gebildet, die das Anwesen pflegt und in den z.T. fast fertigen Räumen Symposien und Tagungen abhalten will. Auch ein Museum ist geplant.

Ebenfalls auf unserer Strecke nach Fraser’s Hill liegt das Städtchen Kuala Kangsar. Man erzählt, dass hier im Ort die ersten Pflanzen des Kautschukbaumes in Malaysia angepflanzt wurden. 1879 kamen 12 Setzlingen aus London hierher und bildeten den Grundstock für den heute wichtigen Industriezweig.

palast Die Sehenswürdigkeiten des Ortes liegen außerhalb am Perak-Fluß. Allerdings kann man den neuen Istana Iskandariah – den Palast des gegenwärtigen Sultans – nur von außen betrachten. Das Gebäude wird heute nur noch sporadisch für große Empfänge von der Sultansfamilie genutzt.

Besuchen kann man allerdings den alten Sultanspalast Istana Kanangan, der heute als Muzium Diraja Perak der Öffentlichkeit zugänglich ist, und hinter einem alten Eisenzaun steht, den dieses Wappen ziert. Ganz aus edlen Hölzern erbaut, sind hier Zeugnisse der Vergangenheit zusammengetragen worden. Schade nur, dass in diesem feuchtwarmen Klima Holz nun mal nicht so lange hält und dass an diesem schönen alten Bauwerk – in schwarz und gelb gestrichen – der Zahn der Zeit zu nagen beginnt.

moschee Den Ort überragt allerdings unübersehbar die Masjid Ubudiah Kuala Kangsar, die schönste – sicher auch die am meisten fotografierte Moschee Malaysias. Das von außen sehr auffällig gestaltete Heiligtum ist im Inneren eher schlicht gehalten. Interessant ist die Tatsache, dass diese z.Zt. des Ersten Weltkrieges erbaute Moschee von Engländern mit entworfen wurde. Ein indischer Moslem hat den Bau durchgeführt.

moschee Wie überall auf unserer Reise, so drücken wir ständig auf den Auslöser unserer Kamera. Allerdings mit sehr viel Zurückhaltung vor den Gläubigen, die ständig – auch außerhalb der Gebetszeiten – die Moschee besuchen.
Es versteht sich von selbst, dass wir als andersgläubige Besucher auch kleidungsmäßig Rücksicht nehmen. Gut, dass zu meiner Urlaubsgarderobe ein Tuch, das ich eigentlich nur aus dekorativen Zwecken um habe, gehört.

Wir haben den Tag über viel gesehen und sind froh, dass wir die Strecke nach Fraser’s Hill auf zwei Tage ausgedehnt haben. Zugegeben, man kann es auch an einem Tag schaffen, aber wir haben bekanntlich Urlaub, und was soll da der Stress?
So checken wir gegen Abend im Heritage Hotel in Ipoh ein, genießen ein hervorragendes Abendessen mit chinesischen Gerichten und fahren morgen zu einem beliebten Ziel vogelinteressierter Besucher: Fraser's Hill


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