Malaysia - Iban Langhaus am Batang Ai

17. Oktober:
Jihej holt uns gleich nach dem Frühstück ab. Unser Gepäck für einige Tage im Langhaus ist schnell zusammen gesucht und im Van verstaut. Es liegen nun 6 Stunden Fahrt vor uns ins Landesinnere hinein. 280 km also bis zum Batang Ai Stausee in der Nähe von Lubok Anto. Von dort geht es mit dem Boot weiter.

serianpfeffer Auf der Fahrt wird deutlich, dass Sarawak landwirtschaftlich genutzt wird. Das Land ist größter Pfefferlieferant in Malaysia. Überall an den Straßen erstrecken sich die an Holzpfählen empor wachsenden Pfefferbüsche. Nur unterbrochen von Reisfeldern und Bananenstauden. Bei der Ernte noch weich und grün, verfärben sich die Pfefferkörner nach dem Trocknen in harte schwarze und weiße Körner.

Einen Zwischenstopp legen wir in Serian ein. Ein kleiner Ort mit einem großen Bauernmarkt, auf dem alles angeboten und verkauft wird, was die local peoples auf ihren Feldern anbauen. Gemüsesorten, von deren Namen wir noch nie etwas gehört oder gesehen haben.

batang batangUfer des Batang Ai Rivers und Landungssteg:

Es ist 14:15 Uhr, und wir werden von einem flachen Holz-Langboot mit Außenboard-Motor erwartet. Jihej, Hubert und ich haben jetzt eine 1-Stunden-Fahrt auf dem Batang Ai River vor uns. Der Bootsführer und sein vorne sitzenden Helfer manövrieren gekonnt zwischen den Untiefen des Wassers hindurch.
Seit einigen Jahren befindet sich am Landungssteg eine Staumauer. Ein Kraftwerk erzeugt Strom für die umliegenden Dörfer und Städte. Langsam und unaufhörlich schiebt sich die Zivilisation in die Tiefen des Dschungels vor.

Ebenso wie das Kraftwerk, hat sich auch etwas – für uns – Unverständliches am Ufer breit gemacht: ein Fünf-Sterne-Ressort. Mit allem nur erdenklichen Luxus wurde hier eine Unterkunft für Touristen geschaffen, die einige Tage Dschungel erleben wollen. Das Ressort rühmt sich, im Stil der Iban-Langhäuser errichtet zu sein. Wir können nicht verstehen, dass Besucher auf diese Weise das Leben der Ibans kennen lernen können. Aber die Tatsache, dass es immer wieder Touristen gibt, die diese Herberge ansteuern lässt erkennen, dass die Reisebranche solche Ressorts braucht.

batang Wir aber steuern einem außergewöhnlichen Abenteuer entgegen: einigen Tagen – sowie auch Nächten – in dem Langhaus von Sepaya.  Doch bevor wir am kleinen, wackeligen Steg anlegen können, müssen wir erst noch eine geballte Ladung ineinander verschlungener Baumstämme passieren. Seit der Errichtung des Stauwerks bilden sich immer wieder solche Ansammlungen von Hindernissen.

Schon am Ufer werden wir lachend von den Kindern der Ibans begrüßt. Schnell ist das Gepäck ausgeladen und zum Longhouse hinauf getragen. Natürlich haben wir auch Lebensmittel, Bettwäsche und Handtücher mitgebracht.

batang Und auch einiges an Süßigkeiten. Dieser junge Mann möchte sofort zu uns kommen, doch Mama sorgt erst einmal für die richtige Kleidung.

Es ist gut, dass Jihej bei uns ist. Wie sonst sollten wir uns mit den Iban verständigen? Nur einige sprechen wenige Worte englisch. Und wir können nun mal ihre Sprache nicht. Doch das hat – und dies sei vorweg genommen – unsere Tage nicht negativ beeinflusst.

batang Das Langhaus ist 200 m lang und beiderseits des offenen – auf Stelzen gebauten – Innenbereiches erstrecken sich überdachte und teilweise durch dünne Wände getrennte Räume für die einzelnen Familien. Es leben hier 52 Familien zusammen.

Als wir ankommen, ist der überwiegende Teil der Menschen noch auf den Feldern, beim Fischen oder Jagen. Uns begrüßt deshalb die Tochter des Chiefs, in dessen Familie wir leben werden. Der Chief dieses Langhauses hat außer dieser verheirateten Tochter noch einen Sohn, der ebenfalls mit Frau und Kind im Langhaus wohnt.

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batang Alles was wir mitgebracht haben, wird erst einmal verstaut. Dann gibt es Tee und zur Begrüßung Reiswein und Reiswhisky. Der Wein ist mit seinen ungefähr 10 % Alkohol etwas gewöhnungsbedürftig und ähnelt geschmacklich Apfelwein. Die Langhausfamilien stellen ihren eigenen Reiswein her: Reis wird gekocht, mit Zucker aufgefüllt und zusammen mit dem Wasser ca. acht Tage ruhen gelassen. Dann wird er abgegossen. Zu Whisky wird er nach nochmaligem Aufkochen, Abdestillieren und weiteren 14 Tagen Ruhezeit. Ohne genau die richtigen Prozente zu kennen, schmeckt das Gebräu sogar uns Gästen. Zum Gären kommt der Reiswein in große Krüge.Krüge, in denen alles aufbewahrt wird, was die Menschen in Langhaus zum Leben brauchen. So auch dieser Reis, der auf Strohmatten im Innen des Langhauses getrocknet wird.

batang Und auch das wird aufbewahrt: Es lässt sich nun mal nicht verleugnen, dass die Ibans früher Kopfjäger waren. Nur gut, dass die Ibans der heutigen Zeit da doch schon etwas netter mit Fremden (wie uns!) umgehen.

Langsam wird es dunkel, und wir ziehen – bewaffnet mit Seife und Handtuch – runter zum Wasser. Wir gewöhnen uns dran, genau wie die Ibans, den River als unser Badezimmer zu akzeptieren. Hubert hat da weniger Berührungsängste als ich. Aber wenn man sauber werden will, muss man das Bad im Fluss schon nutzen.

Apropos: nutzen!

Nicht alle Familie des Langhauses haben in ihrer sehr spärlich ausgefallenen Privatsphäre so etwas wie ein Stilles Örtchen.

Der private Wohnbereich besteht aus einem Raum von ca. 5 x 5 Meter. Dahinter liegt der offen angrenzende Küchentrakt und – da es hier teilweise eine Wasserleitung gibt – die abgetrennte Toilette.

batang batang In der Zwischenzeit sind alle wieder von der Feldarbeit zurück. In den Küchen wird das Abendessen gekocht, und die übrigen Familienmitglieder sitzen im großen, überdachten Innenraum. Entweder sind sie mit handwerklichen Arbeiten beschäftigt oder reden nur miteinander.

Ich lasse es mir nicht nehmen, beim Kochen zuzuschauen. Als Zugeständnis an die Zivilisation gibt es in der Küche eine kleine Kochstelle, eine Gasflasche und einen gusseisernen Wok. Darin wird nach und nach das gesamte Abendessen gekocht und gebraten.

batang Der Duft steigt in die Nase, und als wir alle - die Familie des Chiefs, Jihej und wir - in der großen Küche auf dem Fußboden sitzen, langen wir ordentlich zu. Hubert und ich sind uns einig: selten fand ein Dinner in solch gediegener Atmosphäre statt und hat so hervorragend geschmeckt.
Ein heißer Tee zum Abschluss und frisches Obst haben das Essen zu einem Erlebnis werden lassen.

Nach und nach finden sich die Familien vor ihren Privaträumen auf dem gemeinsamen Innenbereich ein. Ein weiteres Zugeständnis an die Zivilisation: ein Generator. Und das schürt bei Hubert und mir die Diskussion darüber, ob Tourismus, wenn auch ein sanfter, der richtige Weg ist zum gegenseitigen Kennen lernen. Auf der einen Seite bringen Gäste wie wir Geld in die Gemeinschaftskasse der Langhausbewohner, die sich davon die eine oder andere Annehmlichkeit leisten können. Auf der anderen Seite bringt die eindringende Zivilisation auch Probleme in Form von Müll und schlechten Umwelteinflüssen. Hier ist es wichtig, den Tourismus behutsam einzuführen. Und wenn dann Leute wie Jihej zum Übersetzen und Kommunizieren da sind, sind Gespräche die besten Mittel zum Gedankenaustausch untereinander. Wir genießen diese Stunden.

Doch wir haben nicht lange Zeit für derartige ruhige Gespräche, denn der Abend in dieser Langhaus-Gemeinschaft ist sehr amüsant und unterhaltend. Schnell sind Musikinstrumente hervorgeholt, und Jihej erklärt uns die einzelnen Tänze, die, begleitet von den Musikern, von den Ibans vorgeführt werden.

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batang Es ist späte Nacht und die Temperaturen sind erträglicher geworden. Ganz allmählich wird es Zeit zum Schlafen. Aber wo? Es wird uns schlagartig klar: schnell sind Matratzen hingelegt und das Moskitonetz darüber gespannt. Kurzum: etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir haben hervorragend geschlafen.

18. und 19. Oktober:
Die Nacht ist schnell vorbei. Noch bevor die Sonne aufgegangen ist, kräht der Hahn, die Hunde bellen und die Menschen ziehen nach dem Frühstück wieder raus in die teilweise weit vom Langhaus entfernt liegenden Felder.

Auch wir stehen auf. Kein warmes Wasser zum Zähneputzen, dafür Vogelgezwitscher auf dem Weg zum Flussufer.

Danach finden wir uns wieder alle (die Familie des Chiefs, Jihej und wir zwei) beim gemeinsamen Frühstück auf dem Küchenfußboden ein. Die warmen Pfannkuchen mit Bananenfüllung sind ein Gedicht.

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batangLunch á la Iban

Trotz des einsetzenden (noch!) leichten Regens packen wir alles ein, was für ein Lunch á la Iban so nötig ist. Unten am Fluss werden die Dinge in das Langboot verstaut und ab geht es. Der Bruder des Chiefs ist ein erfahrener Bootsführer und lenkt den Kahn sicher durch die im Wasser treibenden Baumstämme hindurch. Ein kleiner Seitenarm ist erreicht und bald darauf eine seichte Stelle am Ufer.

Mit im Boot sitzt die Tochter des Bootsführers. Jihej erzählt uns von ihren hervorragenden Kochkünsten. Und so, meint er, werden wir eine nicht ganz alltägliche Kochvorführung miterleben.

batang Zwischenzeitlich ist aus dem leichten Tröpfeln ein ausgewachsener Regenguss geworden. Nur gut, dass wir all unsere Sachen bereits unter einer kleinen Schilfdachhütte (natürlich ohne Wände) ins Trockene gebracht haben. Der Regen macht uns nichts aus. Es ist warm, wir sitzen geschützt und das Teewasser kocht bereits auf der Feuerstelle.

Nun hat sich noch der Schwiegersohn vom Chief zu uns gesellt. Er - bewaffnet mit einer Machete - zieht sofort in den Dschungel und kommt mit einigen langen und unterschiedlich dicken Bambusstöcken zurück. Schnell sind die langen Stiele in kurze Stücke geteilt, wobei am unteren Ende immer die geschlossene Verbindungen innerhalb des Bambusrohres ist. So haben wir Becher und Kochtöpfe hergestellt.

tee Der Tee ist fertig und aus den kleinen Bambusbechern schmeckt er prima.

Unsere Köchin verschwindet ebenfalls kurz im dichten Regenwald und kommt voll bepackt zurück. Sie hat junge Tapiokatriebe mit frischem Blattgrün gesammelt und fast 50 cm lange Bohnen.

Die Tapiokablätter werden von dem Stielen befreit und in grobe Stück geschnitten; sie sind unserem Blattspinat ähnlich. Auch der Geschmack ähnelt diesem Gemüse. Zusammen mit wildem Knoblauch, Chilli, Pfeffer. sowie Salz und einer Dose Corned Beef  (haben wir mitgebracht!) kommen die Blätter in eine der dicken "Bambustöpfe". Ab geht es in das Feuer.

Die langen Spargelbohnen (Vigna unguiculata subsp. sesquipedalis) sehen aus wie unsere Stangenbohnen, nur viermal so lang. Schnell sind auch sie mit dem großen Messer in kleine Stückchen geschnippelt und gewürzt. Der früh am Morgen geangelte Fisch wird in mundgerechte Stücke geteilt und alles zusammen in den Bambus gefüllt.

reiskochen Zwischenzeitlich hat der junge Iban mit dem Netz jede Menge kleiner Fische aus dem Fluss geholt. Zusammen mit ganz frischen Bambussprossen, wildem Ingwer, Salz und Pfeffer verschwinden auch sie im Bambusrohr und landen auf der Feuerstelle.

Unser Bootsführer hat von der in der Nähe stehenden  Bananenstaude einige junge Blätter geholt. Dort hinein füllt er Reiskörner und faltet die Blätter zusammen, damit sie in die dicken Bambusteile passen. Mit Wasser aufgegossen, kommen auch diese reisgefüllten Behälter auf die Glut. Auf diese Weise wird der Reis gekocht. Länger als bei uns zu Hause dauert das auch nicht.
Wir haben normalen Reis genommen, aber auf diese Weise wird auch Klebreis gekocht. Die Reiskörner dazu müssen allerdings vorher eine Stunde in Wasser eingeweicht werden.

reiskochen reiskochen

Doch was ist das? Eine kleine Schale voll krabbelnder Ameisen verschwindet ebenfalls in einer dünnen Bambusröhre. Diese hochproteinhaltige Dschungelnahrung ist wichtig für die Ernährung der Ibans hier im Regenwald. Mit etwas Unbehagen haben wir später die knusprigen Dinger probiert.

batang Zu jedem Lunch gehört was Süßes. Und woher nehmen wir das? Unsere Köchin hat fein gemahlenes Sago mitgebracht. Einfach mit ein wenig Zucker vermengt und in Bambus gefüllt, entsteht daraus eine gelartige süße Nachspeise. Unsere kleinen und großen Schleckermäuler zu Hause kaufen eher eine Tüte Gummibärchen. Doch diese Sagostücke schmecken ebenso lecker.

Und dann haben die Ibans noch etwas aus dem Langhaus mitgebracht:  Hühnerhälse. Na ja! Als sie da so aufgespießt über dem Feuer grillten, sehen sie leicht gewöhnungsbedürftig aus.

So, langsam ist das Mittagessen fertig. Alle Bambusteile sind dunkelbraun gebrannt. Für unsere Köchin ein Zeichen, dass das Essen fertig ist. Alles wird auf Schalen verteilt und die Bananenblätter mit dem Reis geöffnet. Der ist nicht - wie bei uns zu Hause - körnig, sondern kompakt wie Milchreis, aber weich und köstlich.

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In der Zwischenzeit ist auch die jüngere Schwester der Köchin mit dem Boot angekommen. Nicht alleine, sondern mit einigen Kindern des Langhauses. Die junge Frau ist ausgebildete Lehrerin und unterrichtet in der kleinen Schule am anderen Ufer des Engavi Rivers (Nebenfluß des Batang Ai) den Iban-Nachwuchs. Nun wissen wir, warum so viel leckeres Essen auf dem Feuer war. Und alle zusammen sitzen wir um die blaue Tischdecke mit den bunten Tellern und lassen uns ein Lunch á la Iban schmecken.


Resümee dieser Tour

Die Tage bei den Ibans waren ein Erlebnis besonderer Art. Viele Gespräche - teilweise mit Unterstützung von Jihej, teilweise mit Händen und Füßen sowie einigen englischen Worten - haben uns das Leben hier im Dschungel näher gebracht. Zugegeben: die Zivilisation hat schon große Narben in den Regenwald gerissen. Doch viele Ibans haben uns versichert, dass sie lieber hier im Langhaus leben wollen als in den Dörfern oder hektischen Städten. Es gibt immer Gründe in die City zu fahren, aber noch mehr wieder zurück in das Langhaus zu kommen.

batang Wir haben diese Zeit genossen und Erkenntnisse erlangt, die wir sicher so schnell nicht vergessen werden. Die Warmherzigkeit dieser Menschen hat uns groß beeindruckt, und wir denken gern an die Tage im Langhaus zurück.

Wieder zurück im Hotel in Kuching, freuen wir uns über die warme Dusche und die Annehmlichkeiten der Zivilisation. Sollten wir schon so zivilisationsbedürftig sein ?!?!?

Noch eine gemeinsame Mahlzeit, dann reisen wir weiter in die Höhlen von Miri & Mulu.


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