Fachwerk im Elsass

Maisons à colombages

Gehen wir also zusammen auf eine „Fachwerkreise“ durch das Elsass.

Typisch für das Elsass sind die Maisons à colombages, die Fachwerkhäuser, die es nicht nur auf den Dörfern gibt sondern auch in den Städten. Häuser, in denen gelebt wird. Das sieht man ganz deutlich an den kleinen Sprossenfenstern mit den schneeweißen Gardinen, den netten Kleinigkeiten auf der Fensterbank – wie hier z.B. die Katze – und den farbenfrohen Blumenkästen und –kübeln.

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Gerade dieser Blumenschmuck ist typisch für das Elsass, denn hier gibt es alljährlich einen Blumenwettbewerb ähnlich dem bei uns „Unser Dorf soll schöner werden“.
Seit 1972 veranstaltet das „Nationale Komitee zur Beblumung Frankreichs“ – so die deutsche Übersetzung – diesen Grand Prix, der mit der Auszeichnung „villes et villages fleuris“ den Sieger kürt.

Was 1972 mit 5300 teilnehmenden Orten begann, ist 2004 auf 12.000 angestiegen. Mittlerweile nehmen 1/3 der französischen Gemeinden teil.

So hat z.B. der kleine Ort Hohwiller im letzten Jahr diese Auszeichnung erhalten und trägt nun stolz die „gewonnenen Blumen“ in seinen Ortseingangsschildern.

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Mein besonderes Interesse weckte diese ausgefallene Grünpflanze, die überall hängend in den Blumenkästen zu sehen ist. Die Ipomoea batatas (eigentlich eine Süsskartoffel) mit dem Namen „Marguerite“ blüht nicht, sondern ist eine wunderschöne ganz hellgrüne, fast grüngelbe Blattpflanze.

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Das „Alemannisches Fachwerk“ findet man hauptsächlich im südwestdeutschen Raum, der Schweiz und eben hier im Elsass. Typisch sind dabei auch die in den oberen Etagen hervorstehenden Fenstererker.

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Das Andreaskreuz ist ein Kreuz mit zwei diagonal verlaufenden sich kreuzenden Balken.

Der Name verweist darauf, dass der Apostel Andreas an einem solchen Kreuz gekreuzigt worden sein soll.

Das Fachwerk selbst wurde aus Eiche hergestellt und die Gefache wurden mit einem Holzgeflecht (teilweise Weide) und Lehmbewurf ausgefüllt, bzw. mit sichtbaren Back- oder Bruchsteinen ausgemauert. Oft sieht man Fachwerkhäuser, deren Zwischenräume mit Lehmbausteinen verbaut und verputzt sind, was man gut auf diesem Bild erkennen kann.

Die Bauweise der Fachwerkhäuser war bereits in der Antike bekannt und bei uns in Mitteleuropa wurde so bis weit in das 19. Jh. hinein gebaut. Diese alten Häuser – die wir in Bouxwiller gesehen haben – sind gut hundert Jahre alt und leider auch in einem sehr schlechten Zustand.

Bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das Alter der Fachwerkbauten anhand der konstruktiven und der stilistischen Merkmale bestimmt.

Mit Hilfe der Dendrochronologie (naturwissenschaftliche Methode der Holzaltersbestimmung) konnte in den letzten Jahrzehnten das Alter zahlreicher Fachwerkbauten exakter bestimmt werden, wobei die ältesten erhaltenen Bauten in Süddeutschland aus dem 13. Jahrhundert und in Norddeutschland aus dem 15. Jahrhundert stammen.

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fachwerk fachwerkDie Balken haben meist einen Querschnitt von 10 × 10 bis 18 × 18 cm; sie werden verzahnt und mit Holznägeln gesichert. Dabei werden die Löcher leicht versetzt gebohrt, damit die Zapfen ins Zapfenloch gezogen werden. Die verwendeten Holznägel haben einen Durchmesser von etwa 2 cm und sind mindestens 2 cm länger als die Stärke des Balkens – sie stehen über.

Das Bild (o.re.) zeigt nicht nur das typische Fachwerk, sondern auch ihre Bewohner: Schwalbennester.

Oft steht Alt neben Neu und so konnte ich wieder nicht an hübschen Häusern und ihrem Blumenschmuck vorbei.

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Fachwerkhäuser im Elsass haben stets ein gemauertes Fundament. Erst darauf kam der Fachwerkbau.

So konnte ein Haus mühelos ab- und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden, wenn z.B. durch Erbangelegenheit das Haus „umziehen“, oder durch Überschwemmungen eine Siedlung auf trockenen Boden verlagert werden musste.

fachwerk Auf dem Bild (o.re.) ist unser Ferienhaus La Beau Refuge in Kutzenhausen zu sehen. Es wurde liebevoll renoviert; auch modern behält es seinen alten Charme.



In den Städten, wo Baugelände teuer war, setzte man auf ein möglichst kleines Fundament ein Fachwerk mit Vorkragungen auf; somit erweiterte man die Wohnfläche in den oberen Stockwerken.
Das kann man hier sehr gut an diesem Fachwerkhaus im La Petite France (li.) in Strasbourg sehen. 

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Je reicher ein Besitzer war, desto üppiger waren Eck- und Fenstererker sowie die Schnitz- und Malarbeiten.

Typisch sind die oft sehr dünnen und senkrecht dicht nebeneinander stehenden Streben. Das deutet allerdings nicht auf das Unvermögen der damaligen Baumeister hin, sondern ist ein bewusst integriertes Mittel zur Gestaltung. Die Balken sind wesentlich unregelmäßiger als bei deutschen Bauten.

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Die Streben verlaufen stets entsprechend dem Holzwuchs. Zur Versteifung und Ausfüllung der Gefache setzte man einfache Winkelkreuze oder ließ von den Hauptstreben kleinere Nebenstreben abzweigen und teilte so die Fläche.

Die in das Fachwerk eingelassenen Fenster dienen nur der Belüftung. Auffällig sind beim typisch französischen Fachwerkstil die schmalen Fenster.

Der Baustil der dicht an dicht gereihten Streben lässt aus statischen Gründen keine breiten Fenster zu.

Eindrucksvoll auch zu sehen am Maison Kammerzell in Strasbourg (re.).

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Wagen wir noch einmal einen Blick über den Gartenzaun und schauen in einen Bauerngarten, in dem ein elsässischer  Artgenosse von unserem Dackel Caesar wacht.
Dann geht es zurück in unser Maisons à colombages: das La Beau Refuge in Kutzenhausen
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