Inhaltsverzeichnis Deutschland

Deutschland - Fallersleben

Schloss, Brauhaus & Hoffmann von F...

fallerslebenFallersleben, heute ein Stadtteil von Wolfsburg, ist bereits mehr als 1000 Jahre alt; es wurde 942 in einer Urkunde König Otto I. erwähnt. Damals nannte man den Ort Valareslebo. Fallersleben kam in unterschiedliche Hände, bis 1539 Franz von Gifhorn den Ort in Besitz nahm. Nach der Auflösung des Herzogtums Gifhorn im Jahre 1549  lebte die Witwe von Franz von Gifhorn, Clara von Lauenburg, bis zu ihrem Tode 1576 im Schloss Fallersleben.
Mehr dazu steht in meinem Reisebericht über Gifhorn.

Mit dem Bau des Schlosses in Fallersleben wurde bereits 1520 begonnen (Bauherr war Herzog Franz von Gifhorn). Franz erlebte selbst die Fertigstellung nicht; seine Frau Clara vollendete den Bau 1551.

Bis 1760 war es ein Wasserschloss; ein 12 m breiter und 5 m tiefer Graben umgab die Anlage. Man gelangte nur über zwei Brücken in das Schloss.

Ab 1855 wurden im Schloss staatliche Behörden untergebracht.


wappenDas Wappen von Fallersleben ist seit 1428 dem Wappen der lüneburgischen Welfen nachempfunden. Der Löwe selbst stammt von den drei Löwen ab,  die noch heute im dänischen Wappen zu sehen sind. Die Verbindung zu Dänemark war seinerzeit die Ehe eines Sohnes von Heinrich des Löwen mit einer dänischen Prinzessin.

In Fallersleben allerdings haben sich über die damaligen Jahren hinweg die Farben immer ein wenig gewandelt und es kam zu unterschiedlichen historischen Überlieferungen der Farben und der Löwengestalt. So sieht man heute noch zwei verschiedene Wappen an den Gebäuden in Fallersleben.

Es dauerte bis 1968, bis die Stadtverwaltung das Wappen mit dem gekrönten Löwen als das amtliche Wappen im Sammelwerk „Deutscher Ortswappen“ eintragen ließ: „Im mit roten Herzen bestreuten, goldenen (gelben) Feld ein rot bewehrter, gezungter und gekrönter, blauer Löwe.“

fallersleben fallersleben

Ein Graben umgibt zu Teilen noch heute das Schloss; allerdings umfließt kein Wasser mehr die Gebäude.

fallersleben fallersleben

fallersleben
In den Jahren 2001 bis 2003 wurde das Schloss denkmalgerecht saniert. Dabei wurden bei archäologischen Untersuchungen diverse Kellerräume freigelegt. In den bis zu 1,3 m dicken Mauern waren früher die Lebensmittel gelagert worden. Heute sind Keller und Mauern mit Glas überdacht; der Besucher kann einen Blick in die Vergangenheit werfen.

 Ab 1991 befindet sich im Schloss in der oberen Etage das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum. Ein Museum, das nicht nur an den deutschen Dichter erinnert, sondern auch die Geschichte deutscher Dichtung und Demokratie im 19. Jh dem Besucher nahebringt.

fallersleben Hoffmann von Fallersleben – mit eigentlichem Namen August Heinrich Hoffmann – wurde am 02.04.1798 in Fallersleben geboren und verstarb am 19.01.1874 in Corvey. Er war Hochschullehrer für Germanistik und Dichter.

Die Tafel hängt an seinem Geburtshaus; heute sind dort ein Hotel und ein Restaurant eingezogen.

Hoffmann besuchte in Fallersleben die Volksschule und ging später auf das Gymnasium nach Helmstedt bevor er 1815 auf das Martino-Katharineum nach Braunschweig wechselte. „Mit wenig Geld und Lust“ begann er sein Studium der Theologie 1816 in Göttingen, machte die Bekanntschaft der Brüder Grimm und wurde Mitglied der „Alten Göttinger Burschenschaft“. Er wechselte seine Studienfächer in Germanistik und Philologie.

Hoffmann wechselte 1818 an die Universität nach Bonn und wurde dort Mitglied der „Alten Bonner Burschenschaft“.

fallersleben Bereits 1815 begann er mit dem Schreiben von Gedichten.

1821 ging er nach Berlin und lernte im Hause des Freiherrn Gregor von Meusebach u.a. Georg Friedrich Hegel und Ludwig Uhland kennen. Aber bereits zwei Jahre später wurde Hoffmann Kustos der Bibliothek der Universität Breslau und wurde 1830 zum Prof. für deutsche Sprache und Literatur berufen; Ernennung zum Professor erfolgte 1835.

Und dann – während einer Urlaubsreise 1841 auf die damals englische Insel Helgoland – schrieb Hoffmann das „Lied der Deutschen“; es wurde dann im Oktober 1841 in Hamburg das erste Mal öffentlich gesungen.

fallersleben

So dokumentiert im Museum (u.li.):
Dr. Konrad Adenauer, Friedrich Ebert, Walter Scheel, Prof. Dr. Theodor Eschenburg, Horst Janssen, Kurt Schumacher ...

So dokumentiert im Museum (u.re.):
Axel Eggebrecht, Lloyd George, Prof. Dr. Theodor Heuss, Friedrich Nietzsche, George Bernhard Shaw, Kurt Tucholsky ...

fallersleben fallersleben

Nicht zuletzt wegen seiner demokratischen Haltung wurde Hoffmann 1842 aus den preußischen Diensten entlassen und ein Jahr später verlor er auch seine preußische Staatsangehörigkeit. Sein Leben im Exil begann, bis er 1848 z.T. eine Legitimation aufgrund eines Amnestiegesetzes erhielt (nicht aber seine Professur zurück).

In diesen Jahren entstanden seine wohl schönsten Kinderlieder wie „Alle Vögel sind schon da“,  „Ein Männlein steht im Walde“,  „Summ, summ, summ“,  „Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald“ und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“.

Hoffmann heiratete – rehabilitiert 1849 – seine Nichte Ida vom Berge aus Hannover-Bothfeld; sie bekamen 1855 ihren Sohn Franz Friedrich.
Noch im selben Jahr zog die Familie nach Corvey und Hoffmann wurde Schlossbibliothekar.
Im Alter von 75 verstarb Hoffmann in Corvey und wurde neben seiner Frau auf dem Friedhof der ehemaligen Abteikirche von Corvey beigesetzt.

Seine Werke machten Hoffmann von Fallersleben berühmt; seinen größten Wunsch, ein vereintes und freies Deutschland, erlebte Hoffmann noch, als 1871 das Deutsche Reich unter Bismarck gegründet wurde.

fallersleben Gleich neben dem Schloss steht die ev.-luth.  Michaeliskirche zu Fallersleben. Im klassizistischen Baustil wurde diese sog. "Querhausanlage“ errichtet worden.
Das Innere der Kirche ist im klassizistischem Stil gehalten. Es gibt keinen Bilderschmuck; aber alles ist in den Farben Hellgrau, Altrosa und Gold gehalten.

Während unseres Besuches in Fallersleben war eine Trauerfeier in der Kirche, so dass wir uns das Innere nicht ansehen und keinen Blick auf den Chorraum und den Altar werfen konnten.

Der hölzerne Altar wurde 1986 nach alten Plänen neu erreichtet; auch das Kruzifix und die Kerzenleuchter aus Bronze sind 1986 neu gestaltet worden.

fallerslebenGegenüber der Kanzel befindet sich die neue Rowan-West-Orgel. Ihre Vorgängerin wurde 1907 eingebaut, nachdem das alte Instrument aus dem Jahre 1808 unbrauchbar geworden war. Im Jahr 1969 wurde auch diese von Schmidt und Thiemann grundlegend renoviert, so dass nur noch wenige alte Pfeifen vorhanden sind. 1986 wurde in Zusammenhang mit den Restaurationsarbeiten in der Kirche auch die Orgel erneut gründlich überholt.

Einst stand an dieser Stelle schon einmal eine Kirche, die allerdings zum Teil abgerissen wurde. Der Architekt Christian Gottlieb Langwagen hat auf den Mauern der Südseite den Neubau errichtet; fehlendes Baumaterial wurde aus den Steinbrüchen Flechtorf und Reislingen geholt.

Heinrich Wilhelm Hoffmann, Vater des Dichters Hoffmann von Fallersleben war als damaliger Bürgermeister maßgeblich für den Bau verantwortlich.

Die Kirche wurde 1805 fertig gestellt und in ihrer 200jährigen Geschichte oftmals baulich verändert. 1986 wurden umfangreiche Restaurierungen durchgeführt und die Michaeliskirche zeigt sich heute in ihrer Ursprünglichkeit zu Beginn des 19. Jahrhundert.

fallersleben fallersleben

fallersleben

Fallersleben hat nicht nur ein interessantes Schloss und Museum zu bieten, sondern auch viele hübsche Fachwerkhäuser.
Ein Bummel durch die Altstadt rund um das Schloss herum ist lohnenswert, wie die Bilder zeigen.

Und wenn dann der Hunger (und natürlich auch der Durst) kommt, kann man beides im Alten Brauhaus stillen.

1765 wurde es erbaut und steht in unmittelbarer Nähe zum Schloss. Beeindruckend ist nicht nur der mächtige Bau von 14 x 38 m, sondern auch das mehrgeschossige Dach mit seinen Dachgauben, die der Belüftung des Kornbodens dienten.

fallersleben fallersleben

Das Brauhaus gehörte lange zum Schloss und der Stadt Wolfsburg. 1986 kaufte es die Familie Gehrmann und restaurierte das Gebäude; Wiedereröffnung war ein Jahr später. Ein schwerer Brand zerstörte Teile des Hauses; nur die Grundmauern blieben erhalten. Seit Mai 2008 ist der Wiederaufbau beendet und eine neue Gaststätte erwartet „364 Tage im Jahr“ Gäste.

Wie wäre es jetzt mit einem frisch gezapften  „Fallersleber Schlossbräu“,  „Bürgermeisterbräu“,  „Fallersleber Hefeweizen“,  „Anno 1765er“ oder „Kräuterbier“ … ???

fallersleben fallersleben

Fallersleben ist einen Besuch wert; Wegweiser führen zu den schönsten Punkte; da kann ich nur sagen: Vergissmeinnicht ... !!!

fallersleben fallersleben

Inhaltsverzeichnis Deutschland


Wolfsburg : Autostadt : Phaeno : Fallersleben