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Deutschland - Ahlden

wappen Nördlich – und rund 45 km von Celle entfernt – liegt der kleine Flecken Ahlden, gut über die B 214 zu erreichen. Ahlden hat 1500 Einwohner und ist ein kleines Dorf in der Südheide (Landkreis Soltau-Fallingsbostel, Niedersachsen).

1140 wurde Alethen erstmals urkundlich erwähnt, als der Bischof Siward die Einkünfte aus diesem Ort der Nonne Rasmoda überschrieb und wenige Jahre später wurden Teile von Ahlden dem Bistum Minden übertragen.

Im 13. Jh kam dann das Geschlecht derer von Ahlden hierher.

ahlden Eigentlich ein Dorf wie viele hier an der Aller, wäre da nicht das 1430 erbaute Schloss, das ein Jahr später als fürstliches Amt Ahlden in den Besitz des Herzogs von Lüneburg überging. Es wurde Gericht gehalten und Landwirtschaft betrieben, bis 1884 das Amt aufgelöst wurde und an den Kreis Fallingbostel fiel.

Das Schloss Ahlden – Ort der Verbannung – und zwar von 1694 bis 1726. Sophie Dorothea, Gemahlin des Kurfürsten Georg Ludwig von Hannover, ab 1714 König Georg I. von Großbritannien wurde wegen ihrer Beziehung zu dem Grafen von Königsmarck hierher verbannt. Sie lebte als "Prinzessin von Ahlden" bis zu ihrem Tode in Einsamkeit und in einem „feudalen Gefängnis“.

Das Gebäude hat wunderschöne Giebel und wurde als Vierflügelanlage erbaut. Ein tiefer Wassergraben umgibt das Schloss, was zur damaligen Zeit bei aufkommenden Kriegswirren sicher von Vorteil war.

Als im Dreißigjährigen Krieg der Ort Ahlden durch Brand zerstört wurde, wurde auch das Schloss von 800 dänischen Soldaten angegriffen; aber nicht erobert.

Heute ist das Schloss in Privatbesitz und ein weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekanntes Kunstauktionshaus. Mehrmals im Jahr öffnen die Besitzer die Tore für Besucher.

ahlden ahlden Aber Ahlden hat mehr als das Schloss zu bieten. Beim Bummel durch den Ort fallen die vielen hübschen Fachwerkhäuser auf und das Scheunenviertel (re.); ein Viertel, das den Ort prägt. 1632 wurde es erstmals urkundlich erwähnt, als im Dreißigjährigen Krieg die Truppen von Tilly ganz Ahlden niederbrannten.

Aus Angst vor Feuer hatten die Menschen damals ihre Speicher außerhalb des Ortes erbaut, was sich bei den verheerenden Bränden 1715 und 1847 als sinnvoll erwies.

Beim Brand einer Scheune 1995 konnte ein Übergreifen des Feuers auf die anderen Scheunen verhindert werden. Heute sind noch etwa 25 Scheunen erhalten, die größtenteils einen denkmalwürdigen Zustand aufweisen und teilweise als Wohnhäuser genutzt werden.

Bummeln wir jetzt durch die Gassen von Ahlden, vorbei an hübschen Fachwerkhäusern.

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Die Grundsteine der Ahldener Kirche stammen aus dem 9. Jh. Karl der Große hatte die Verbreitung des Christentums verfügt und so entstanden im norddeutschen Raum viele Kirchbauten.
Ende des 13. Jh ging die Kirche von Ahlden in das Bistum Minden über und wurde von den Herzögen von Lüneburg und Sachsen-Lauenburg verwaltet.
Im 16. Jh wurde die Kirche reformiert und somit evangelisch.

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Natürlich bekommt man Hunger, wenn man so durch die Landschaft wandert, schaut und fotografiert. Und als ich das obige Foto rechts von der Kirche gemacht habe, standen wir schon im Garten des Antiquitäten Restaurants Schloss Ahlden.

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Auch eines der hübschen Fachwerkhäuser in Ahlden: das Antiquitäten Restaurant.

Als wir so nett begrüßt und auf leckeren Kuchen hingewiesen wurden, mussten wir einfach eintreten.

Gemütlich mit alten Möbeln eingerichtet erwartet uns die Gaststube. Von der Speisekarte bestellen wir etwas Typisches: Ahldener Bauernfrühstück
Liebevoll sind hübsche Kleinigkeiten überall im Restaurant dekoriert.

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buch Der Roman Das steinerne Herz, den Arno Schmidt 1956 veröffentlichte, spielt teilweise hier im Ort. Schmidt hielt sich deshalb 1954 zweimal in Ahlden auf. Ihm zu Ehren wurde am 4. August 2001 ein parkähnliches Waldstück mit Eichenbäumen und Rhododendrenbüschen beim alten Feuerwehrhaus als "Arno-Schmidt-Hain" benannt.

Über den Autor
Arno Schmidt, 1914 in Hamburg geboren, machte nach dem Abitur eine  kaufmännischen Lehre 1937 - 1940 und war von 1940 bis 1945 Soldat. Ab 1947 arbeitete er als freier Schriftsteller und zog 1958 nach Bargfeld, Kreis Celle. Arno Schmidt starb 1979 in Celle.

Kurzbeschreibung
Das  Buch handelt von Walter Eggers, einem Büchersammler der hannoverschen Landesgeschichte. Er kam nach Ahlden und wohnte bei Familie Thumann, weil er dort alte Bücher vermutete. Eggers begann ein Verhältnis mit Frieda Thumann und fand die gesuchten Bücher in dem Haus. Er sucht allerdings weiterhin nach alten Büchern und kommt während dieser Suche auch in den Osten Berlins, wo er die Spaltung Deutschland miterlebt. Eggers kehrt aber zurück nach Ahlden, um für immer das Haus der Thumanns zu verlassen. Aber der dortige Fund eines Goldmünzenschatzes eröffnet ihm Aussichten auf eine Zeit gelehrten Müßiggangs, und er beschließt, einstweilen zu bleiben ...


Als Ahlden gegründet wurde, lag es direkt am Ufer der Aller. Über die Jahrhunderte hinweg veränderte der Fluss oft seinen Lauf und so ist urkundlich bewiesen, dass 1618 die Aller „Leinewasser führte“; der Name des Flusses wurde daraufhin in „Alte Leine“ umbenannt.

Das „Aller-Leine-Tal“ ist heute eine Flusslandschaft mit typischen Überschwemmungszeiten bei Hochwasser. Viel Wiesen und Weiden ziehen sich am Ufer entlang und mancherorts schützt ein Deich die Dörfer vor den jährlich steigenden Wassermassen. Auf mehr als 300 Kilometer Radwanderwegen kann man die Gegend entdecken.

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Pferdeköpfe sind an niedersächsischen Fachwerkhäusern oft zu finden als Verzierung der Windbretter. Je nach Geschmack des Hausherren und des Zimmermanns waren diese Pferdeköpfe teils sehr einfach gearbeitet; teils aber auch kunstvoll ausgeschmückt mit Zaumzeug und/oder Eichenblättern.

ahlden Woher die Tradition wirklich kommt, wissen die niedersächsischen Bauernhausbewohner nicht so genau. Eine Erklärung ist, dass die Blickrichtung der Pferdegesichter anzeigt, ob der im Haus residierende Bauer verheiratet ist oder nicht; ob er frei ist oder unfrei. Wobei sich Letzteres auf die mittelalterliche Leibeigenschaft, nicht auf die Ehe bezieht.

In Niedersachsen wird das Pferd am meisten in Giebelköpfen dargestellt.


Das war also mein Ausflug nach Ahlden an der Aller. Vielleicht hat der Bericht dem/r einen oder anderen Leser/in gefallen.
Dann empfehle ich eine Reise in die Südheide.

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