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Nektar in einem Sieb --- von Kamala Markandaya

buch Nektar in einem Sieb, der langsam durch die feinen Löcher fließt, so fließt das Leben an der armen indischen Bäuerin vorbei.

Sicher, jeder Roman hat auch etwas Klischeehaftes an sich, aber das Buch von Kamala Markandaya erzählt sehr authentisch vom täglichen Überlebenskampf indischer Frauen am Rande des Existenzminimums, den wir uns in unserer Überflussgesellschaft gar nicht vorstellen können. Hier trennen uns Kulturen, Welten und Glauben.

Auf 269 Seiten (gebundene Ausgabe; Verlag Biederstein, Verl, in der Ausgabe von 1959*) erfährt man von zwei Menschen, die trotz eines entbehrungsreichen harten Lebens nicht die Liebe zueinander verloren haben. Die Jahreszeiten bestimmen ihr Leben, das Arbeiten im Reisfeld, die Geburt der sieben Kinder und die Veränderungen, die der Bau einer Gerberei in das kleine südindische Dorf bringt.
*)Diese alte Ausgabe des Buches gehört mir und ich habe es in einen Antiquariat gefunden; einfach mal anklicken.


Rukmani, Tochter armer Bauern, wird wie ihre anderen zwei Schwestern schon in jungen Jahren mit dem Pachtbauern Nathan verheiratet. Beide aber erleben den Untergang des alten dörflichen Lebens. Ihre Felder müssen Wohnbaracken weichen, die gebaut wurden, um den Arbeitern einer neuen Gerberei Unterkunft zu bieten.

Die Nächte sind nicht mehr still; die Ruhe wird vom Krach dieser Arbeiter gestört.

Rukmani und Nathan ertragen diese Veränderungen, die Missernten, Hungersnöte und Krankheiten, die ihre kleine beschauliche Welt heimsuchen.

Und am Ende ihres gemeinsamen Lebens „sammelt Rukmani die zerbrochenen Stücke ihres Lebens auf und legt sie aneinander. Alle, bis auf das eine, das fehlte …“


Die 1924 in Indien geborene Schriftstellerin und Journalistin Kamala Markandaya begann mit dem Schreiben ihrer Romane in den 1950er Jahren. Ihr Erstlingswerk ist Nektar in einem Sieb. Sie hat es verstanden, gerade über Frauen in ihren indo-englischen Büchern zu berichten. 1990 wurde Kamala Markandaya für dieses Werk der LiBeraturpreis verliehen.

Dieser Literaturpreis wird seit 1987 vom Ökumenischen Zentrum Christuskirche in Frankfurt/Main an Autorinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika vergeben.


Es dauert ein paar Seiten, um sich auf die Erzählweise der Autorin einzulassen. Aber dann – so ist es mir ergangen – konnte ich nicht aufhören zu lesen. Die Dramaturgie steigt mit jedem Kapitel des Buches und die Lebensgeschichte dieser kleinen indischen Familie ist exemplarisch für Millionen anderer Inder.

Ich habe dieses Buch das erste Mal während unserer Indienreise gelesen und oft, wenn wir durch die kleinen Dörfer kamen, Dinge gesehen, die ich über Rukmani gelesen habe.

Zu einigen Textzeilen habe ich Bilder hinzugefügt.

Eines Tages erklärte uns Kali mit Augenzwinkern, es sei Zeit, dass wir auf unsere Tochter Irawaddy achtgeben. „Sie reift schnell heran und die Blicke der jungen Burschen.“
Das Bild entstand in der Wüste Thar (u.li.)

Wir nannten unsere Tochter Irawaddy, nach einem der großen Flüsse Asiens; denn Wasser war für uns das kostbarste aller Güter.
Das Bild entstand in Bikaner (u.re.)

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„Wir brauchen den Dung zu Hause; er ernährt das Feuer und schützt gegen Nässe und Hitze.“
Auch dieses Bild haben wir in Jodpur fotografiert (u.li.)

Diese Familie auf dem Weg nach Jaisalmer in der Wüste Thar erinnerte ich mich an Rukmani, Nathan und den Söhnen Arjun und Thambi (u.re.)

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Erfrischt begannen die Ochsen munter auszuschreiten und warfen ihre Köpfe hin und her.
Das Bild entstand irgendwo auf den Straßen von Radjastan (u.li.)

„Ach – du sammelst Dung und trägst ihn fort? Ist er nicht für das Feld bestimmt?“
Das Bild zeigt das Trocknen von Dung auf den Dächern von Jodpur. (u.re.)

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Ein Dorf – irgendwo in der Wüste Thar. Ob so das Dorf aussah, in das Nathan die junge Rukmani nach der Hochzeit brachte?
Lebten hier Rukmani und Nathan mit ihren sieben Kindern?

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Glücklicherweise hatte ich für Iras Hochzeit einen Vorrat von Brennholz bereit gehabt; mit den wenigen Stücken, die davon übriggeblieben waren, konnten wir nun wenigstens unseren Reis kochen. (u.li.)

Die Tage gingen dahin – und Nathan nicht mehr bei mir … nie mehr! Asche und Staub, in alle Winde zerstreut, vom Regen durchnässt, unerkennbar geworden.
Fotografiert in Varanasi am Ganges (u.re.)

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„Du bleibst nicht allein“, sagte Nathan zu Rukmani, „ich lebe in meinen Kindern“ und verstummte.
Fotografiert in Varanasi am Ganges (u.li.)

Zwei Monate lang kamen jeden Tag Ochsenkarren angefahren, und auf den Karren kamen Backsteine, Zement und Wellblech.
Das Dorf von Rukmani verändert sich; eine Gerberei wird gebaut (u.re.)

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Die Brennöfen der umliegenden Dörfer mussten beständig Ziegel brennen, aber was sie fertigbrachten, reichte nicht aus, und so zogen die Karren auch weithin durch die Felder und kehrten bestaubt, mit Ziegel beladen zurück.
Die Gerberei verändert die Ruhe in Rukmanis Dorf (u.li.)

Erntezeit – und nichts zum Ernten vorhanden! Der Reis hatte unsere ganze Arbeit gekostet und lag jetzt nutzlos in verwelkten Haufen vor uns.
Trockenheit hatte das Dorf heimgesucht; mühsam lässt sich der Boden bearbeiten (u.re.)

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Naturgewalten – wie Trockenheit – zerstören nicht nur die Ernten von Rukmani, so dass die Familie hungern musste. Auch Regen kann Dächer und Wände der Hütten aufweichen.

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Nektar in einem Sieb
Ich habe eine wunderschöne – alte – gebundene Ausgabe; 269 Seiten
Biederstein Verlag (1959)
ASIN B0000BLBQK

Es gibt auch ein Taschenbuch, 274 Seiten
Unionsverlag (März 2008)
ISBN-10: 3293200095
ISBN-13: 978-3293200098
Ich habe es bei Amazon gesehen, einfach das Buch anklicken.

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